2026-001/060-diagnosis/09-diagnosis-hypothese-2.md

16 lines
1.9 KiB
Markdown

---
id: "diagnosis-hypothese-2"
type: "markdown"
title: "Erklärende Hypothese(n)"
hint: "Formuliere die erklärenden Weil-Hypothesen auf der Grundlage beider Theorien. Die Hypothesen sollen nachvollziehbar aus den theoriegeleiteten Fallüberlegungen abgeleitet sein, die Fallthematik erhellen und später in die Arbeitshypothese einfliessen."
footnote: "📚 Verdichte die ergiebigsten Erklärungen aus beiden Theorien zu Weil-Hypothesen."
---
| Erklärende Weil-Hypothesen |
| --- |
| **Ritscher** Weil Leny sich innerlich stark an sein Herkunftssystem gebunden zeigt und sich für seine Familie verantwortlich erlebt, belasten ihn die Übergänge zwischen zuhause, Wohngruppe und Schule besonders stark. |
| **Ritscher** Weil Bewältigungsstrategien ihren Sinn im jeweiligen Kontext erhalten und im Herkunftssystem für Leny weiterhin sinnvoll sein können, verstehe ich sein Ausweichen, Vergessen und seinen Rückzug zuhause eher als stabilisierend, während ihn diese Strategien in unserem Kontext bei Präsenz, Orientierung und Lernen behindern können. |
| **Ritscher** Weil Loyalitätsbindungen Zugehörigkeit geben, Ablösung aber auch erschweren können, verstehe ich Lenys Sorgen um die Mutter und die Geschwister sowie seinen Drang, nach Hause zu gehen, nicht nur als Ausdruck emotionaler Nähe, sondern auch als mögliche Loyalitätsbindung. |
| **Weiss** Weil miterlebte häusliche Gewalt Kinder stark belastet und sie oft Verantwortung übernehmen sowie Angst um nahe Bezugspersonen entwickeln, lese ich Lenys Sorgen um die Mutter und die Geschwister stärker im Zusammenhang mit dieser Belastungsdynamik. |
| **Weiss** Weil sich frühe und anhaltende Stresserfahrungen auch in dissoziativen Reaktionen zeigen können und belastete Kinder im Schulalltag besonders gefordert sind, deute ich Lenys Abschweifen, Vergessen und Abwesenheit in belastenden, ermüdenden oder überfordernden Situationen als möglichen Überlastungsschutz. |