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5.2 Externalisierende Auffälligkeiten
Untersuchungen gefundenen Steigerungen der Kriminalitätsraten haben offensichtlich eine spezifische Ursache: Schon Lösel et al. (1999) stellten fest: »Unsere
Dunkelfeld-Daten legen nahe, dass die Steigerung der Täter-Prävalenz nicht nur auf
mehr Täter, sondern wesentlich auf eine Gruppe besonders aktiver Täter zurückzuführen ist« (ebd., S. 80). Dies entspricht internationalen Daten, wonach »auf eine
kleine Gruppe von ca. 57 % der Täter über 50 % der Gesamtkriminalität entfällt«
(ebd.). Diese Zahlen werden durch aktuelle Studien bestätigt (vgl. Baier et al. 2010).
Geschlecht
Die bisher dargestellten Zahlen machen deutlich, dass offen-aggressives Verhalten in
weitaus höherem Maß von Jungen gezeigt wird als von Mädchen; die Angaben
hierüber schwanken zwischen 2:1 bis hin zu 4:1. Übereinstimmend lässt sich feststellen: Während die Geschlechtsdifferenzen hinsichtlich der Formen und der Intensität der Aggressionen bei Kleinkindern noch relativ gering sind (Krahé 2001
unter Berufung auf Loeber & Stouthamer-Loeber 1998), so zeigt sich: »Bereits ab
dem Vorschulalter haben Jungen die Tendenz, signifikant mehr antisoziales Verhalten zu zeigen als Mädchen. (…) Darüber hinaus erreichen die Symptome der
Störung des Sozialverhaltens einen signifikant höheren Schweregrad bei Jungen,
insbesondere wenn es um die körperliche Verletzung anderer geht. (Lahey et
al. 2000)« (Essau & Conradt 2004, S. 56). Diese Unterschiede relativieren sich etwas
zu Beginn der Pubertät: »Vor allem nimmt während der Adoleszenz das aggressive
Verhalten bei Mädchen im Gegensatz zu männlichen Jugendlichen sprunghaft
zu. (…) In dem weiteren Verlauf entsprechen diese spät auftretenden Mädchenaggressionen dem Entwicklungsweg früh auftretende, stabile Aggression der Jungen«
(Petermann et al. 2001, S. 11 f). Insgesamt bestehen jedoch die Geschlechterdifferenzen fort (vgl. Baier et al. 2010).
Nach einer Studie von Crick & Grotpeter (1995) ist es so, dass Mädchen signifikant deutlicher relational aggressives Verhalten, d. h. Intrigen, Mobbing etc. zeigen
als Jungen (s. a. Krahé 2001, S. 59 ff); dies gilt ebenso für verschiedene Formen der
virtuellen Gewalt (Fröhlich-Gildhoff et al. 2009).
Komorbidität
Unter Berücksichtigung der schon mehrfach genannten methodischen Probleme
lassen sich folgende hohe Komorbiditätsraten feststellen:
• Zwischen aggressivem und dissozialem/delinquentem Verhalten: In klinischen
Studien bis zu 45 %, in repräsentativen Studien bis zu 28 % (Scheithauer & Petermann 2004).
• Zwischen Störungen des Sozialverhaltens und Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS): Hier schwanken die Zahlen des gemeinsamen Auftretens
zwischen 20 % und 50 %; in klinischen Studien teilweise bis zu 90 %.
• Zwischen Störungen des Sozialverhaltens und Störung des Substanzkonsums: In
der Bremer Jugendstudie (Petermann et al. 1999) konnte übereinstimmend mit
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