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5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
tischer Basis möglicherweise bei verschiedenen Menschen unterschiedlich disponiert. Allerdings gilt auch hier: »Vererbt wird in erster Linie die Disposition, adipös
zu werden; inwieweit diese angeborene Vulnerabilität zumTragen kommt, beeinflussen Umweltfaktoren« (Fichter & Warschburger 2000, S. 574).
Vorliegende familiäre Häufungen belegen nicht die genetische Veranlagung. So
zitieren Fichter und Warschburger (2000) Studien, die eine Übereinstimmung im
Grundumsatz zwischen Eltern und Kind zeigen. In einer anderen Studie von Roberts et al. (1988) konnte gezeigt werden, dass »normalgewichtige Neugeborene mit
geringem Energieverbrauch drei Monate später adipös (waren); die Mütter dieser
Kinder waren selbst übergewichtig« (ebd., S. 575).
In einer sehr breiten Untersuchung an Schulänfängern konnte »als neuer Risikofaktor für Adipositas im Kindesalter Rauchen in der Frühschwangerschaft, als
Schutzfaktor Stillen identifiziert werden« (von Kries 2004).
Letztlich weisen diese Befunde alle auf das komplexe Zusammenspiel zwischen
biologischen, sozialen und psychologischen Faktoren hin. Der rasante Anstieg des
Übergewichtes in den westlichen Industrienationen (»aktuellen Prognosen zufolge
werden im Jahr 2030 die Hälfte aller Europäer übergewichtig sein«; Franke 2001,
S. 366) kann nicht durch eine Variable allein erklärt werden.
Soziale Faktoren
Da soziale Faktoren in unterschiedlicher Weise eine Bedeutung für die Entstehung
der Störungen haben, sollen Bulimie und Anorexie getrennt von Adipositas betrachtet werden.
Bulimie und Anorexie
Ein wichtiger Faktor für die Ausbildung dieser Störungen sind sicherlich gesellschaftliche Hintergründe, insbesondere das nach wie vor vorherrschende Schlankheitsideal. Schlank sein wird als Ausdruck von Leistungsfähigkeit, auch als Beweis
für Triebkontrolle gesehen. Als besonders gefährdet werden Jugendliche angesehen,
die Schlankheit »als Schönheitsideal anstreben und einen starken Druck, schlank zu
sein, von Eltern und Gleichaltrigen erleben« (Fichter & Warschburger 2000, S. 567).
Wie bereits früher dargelegt wurde (c Kap. 3.3.2), hat das eigene Körperbild für
Jugendliche eine extrem hohe Bedeutung für den eigenen Selbstwert (vgl. Buddeberg-Fischer und Klaghofer 2002; Fend 2001; Hahne & Zubrägel 2004). Das bedeutet, dass gerade im Jugendalter das Thema Gewichtskontrolle einen breiten
Stellenwert und hier noch stärker für Mädchen als für Jungen einnimmt. »Gewicht ist bereits in jungen Jahren zentral für soziale Anerkennung und Stellung
(Goldfield & Chrisler 1995)« (Fichter & Warschburger 2000, S. 567). Unter Bezugnahme der Daten der internationalen Gesundheitsstudie HBSC der Weltgesundheitsorganisation WHO (regelmäßige Befragung von 1500 Kindern/Jugendlichen im Alter 1016 Jahre) stellen Hähne und Zubrägel (2004) fest, dass das
gesellschaftlich vorgegebene Ideal eines schlanken (und damit schönen) Körperbildes für beide Geschlechter eine zentrale Bedeutung hat.
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