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2 Begriffsbestimmung: Was ist »verhaltensauffällig«?
KiGGS-Basiserhebung [20032006] waren dies 20,0 %. Damit ließ sich insgesamt
keine bedeutsame Veränderung über die Zeit in der Häufigkeit psychischer Auffälligkeiten nachweisen. Auch in der Stratifizierung nach Geschlecht, Altersgruppen
und Sozialstatus zeigten sich in Bezug auf die Risikogruppe keine statistisch signifikanten Prävalenzunterschiede zwischen der KiGGS-Basiserhebung und KiGGS
Welle 1« (Hölling et al. 2014, S. 809). Jungen wurden häufiger als Mädchen von den
Eltern als grenzwertig oder auffällig beurteilt. »Der Gesamtproblemwert [war] bei
Jungen stärker ausgeprägt […] als bei Mädchen, ebenso wie Verhaltensauffälligkeiten, Hyperaktivitätsprobleme sowie Peer-Probleme. Bei Mädchen waren emotionale Probleme stärker ausgeprägt als bei Jungen. Darüber hinaus zeigten Jungen
ein geringer ausgeprägtes prosoziales Verhalten« (ebd. S. 812). In der längsschnittlichen Betrachtung zeigt sich eine hohe Stabilität der Beschwerden über eine Periode
von 36 Jahren (Ravens-Sieberer et al., 2015).
Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status
werden dabei häufiger als diejenigen aus Familien mit höherem sozioökonomischem Status als grenzwertig bzw. auffällig eingeschätzt, wie sich auch in internationalen Studien zeigt (Reiss, 2013).
Bei der Betrachtung der Störungsspezifik ergaben sich zum ersten Erhebungszeitpunkt folgende Raten: Depression 5,4 %, Angst 10,0 %, ADHS 2,2 %, Störungen
des Sozialverhaltens 7,6 % (überwiegend aggressives und dissoziales Verhalten).
Zum zweiten Zeitpunkt war »ein leicht zunehmender Trend bei emotionalen
Problemen und Verhaltensproblemen zu verzeichnen sowie ein abnehmender
Trend bei Peer-Problemen und eine Zunahme bei prosozialem Verhalten. Keine
Veränderung zwischen den Erhebungszeiträumen gab es bei der Hyperaktivitätsskala« (Hölling et al. 2014, S. 812).
Bei der Längsschnittbetrachtung in der detaillierten »BELLA-Studie« wurde
deutlich, dass 10 % bis 11 % der Kinder und Jugendlichen zu allen vier Messzeitpunkten psychische Auffälligkeiten zeigten; ein Drittel der Kinder und Jugendlichen, die bei der Basiserhebung psychische Probleme aufwiesen, waren sechs Jahre
später auch noch psychisch auffällig (Klasen et al. 2016). Zudem zeigte sich, dass sich
Probleme der psychischen Gesundheit auch auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie die wahrgenommene Gesundheit noch elf Jahre später auswirken.
Hierbei sind insbesondere die von den Kindern und Jugendlichen selbst eingeschätzte Schwergrad der Symptome und die Beeinträchtigung aussagekräftig (Otto
et al. 2021).
Die Ergebnisse der COPSY-Studie, die in Anlehnung an die BELLA-Studie
konzipiert wurde, zeigte, ist der Anteil der belasteten Kinder und Jugendlicher
durch die Belastungen der Covid-19 Pandemie deutlich erhöht auf 30 %, einhergehend mit deutlich verschlechtertem Gesundheitsverhalten. Gleichzeitig zeigt sich
eine reduzierte Lebensqualität. Auch zwei Jahre nach Beginn der Pandemie bleibt
dieser Anteil an Kindern mit erhöhten Belastungen stabil (Kaman et al., 2023).
Insbesondere der Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Angststörungen sowie
depressiven Symptomen zeigt sich deutlich erhöht (Ravens-Sieberer et al., 2022).
Ein weiteres Problem bei epidemiologischen Studien gerade bei Kindern und
Jugendlichen betrifft die Komorbidität, also das gleichzeitige Auftreten von mehreren unterschiedlichen Symptomen bzw. Symptomklassen. »Das Auftreten komor30