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6.6.3.2Primärperspektive Team
Teamarbeit ist ein zentraler Bestandteil der systemischen Arbeit. Schon die
Gründungsväter und -mütter der Familientherapie theoretisierten und
praktizierten überwiegend in Gruppen, weil ihnen der kommunikative
Aspekt der Arbeit ein besonderes Anliegen war und die Gruppe als
kreativitätsfördernder Kontext verstanden wurde. In den dialogischen
Situationen des Teams entstehen unterschiedliche Wahrnehmungen,
hypothetische Beschreibungen, Erklärungen und Interventionsideen
aufgrund
unterschiedlicher
Vorannahmen,
Perspektiven
und
Identifikationen. Die eine Kollegin kann sich besser auf die Mutter
einstellen, der Kollege vielleicht auf den Vater. Vom Platz neben dem Sohn
aus sind dessen Köpersignale vielleicht deutlicher wahrzunehmen, aber
dafür ist der Kontakt zu anderen Familienmitgliedern weniger intensiv. Eine
Kollegin achtet möglicherweise stärker auf die Gender-Perspektive, eine
andere interessiert sich besonders für die materielle Situation der Familie,
wieder eine andere misst der Geschwisterbeziehung eine besondere
Bedeutung zu und richtet deshalb ihren Beobachtungsfokus auf dieses
familiäre Teilsystem. Diese Unterschiede führen zu verschiedensten neuen
Informationen, Beschreibungen, Erklärungen und Interventionsideen
jenseits der alten es entsteht ein dialektischer Wachstumsprozess der
Erkenntnis und des Unterstützungssystems.
Das Team kann bei der Methode des Splittings genutzt werden, um die
Auftraggeberinnen mit unterschiedlichen Meinungen, Ratschlägen oder
Kommentaren zu konfrontieren. Kollege X unterstützt z. B. die Idee der
Mutter, dass die schlechten Schulergebnisse ein Anlass zur Besorgnis seien,
Kollege Y kann sich mit der Meinung des Vaters anfreunden, dass sich
dieses Problem „verwachse“. Oder die Kollegen überbringen der Familie
nach der Pause unterschiedliche Stellungnahmen der Beobachterinnen
hinter der Scheibe: Kollegin A findet, dass die Familie sich noch mehr um
die Schulleistungen des Kindes kümmern soll, Kollege B schlägt stattdessen
vor, dass sich der Vater mit dem Sohn abends zum Fahrradfahren
verabredet. So können unterschiedliche Ideen und Lösungswege „gesät“
und von unterschiedlichen, darauf besonders ansprechbaren Teilsystemen
aufgegriffen werden. Die beiden das Interview leitenden Teammitglieder
können auch vor der Familie kontrovers diskutieren, dadurch indirekt
unterschiedliche Informations- und Lösungsangebote vorschlagen und
zugleich die Botschaft vermitteln, dass Meinungsunterschiede konstruktiv