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6.6.2.3.2 Die Familienlandkarte
Im Folgenden werden die sechs wichtigsten Elemente von S. Minuchins
Theorie der Organisation und Dynamik von Familien dargestellt (vgl. S.
Minuchin 1977; S. Minuchin, Rosman u. Baker 1989; S. Minuchin u.
Fishman 1983; P. Minuchin, Colapinto u. S. Minuchin 1998/2000). Sie
bilden den Kontext der von ihm entworfenen Methode der
Familienlandkarten.
Jedes funktional kommunizierende System benötigt eine Hierarchie.
„Autoritätsmuster, die eindeutig und flexibel sind, funktionieren im
Allgemeinen gut“ (P. Minuchin, Colapinto u. S. Minuchin 2000, S. 35).
Für Familien gilt, dass Elternrollen eine hierarchische Position
beinhalten. Dabei geht es in erster Linie nicht um Macht, sondern um
die Verantwortungsübernahme der älteren, lebenserfahreneren und
mit mehr Ressourcen ausgestatteten Eltern, die ihre Kinder behutsam
und freundlich in das soziale Leben einführen sollten. Dazu benötigen
sie auch Macht, um Entscheidungen eventuell gegen die Kinder
durchsetzen zu können. Diese Führungsstruktur muss in den
Situationen des Alltags etabliert werden, wenn es um die Einhaltung
verbindlicher Zeiten, soziales Verhalten bei den Mahlzeiten oder die
Übernahme bestimmter Verpflichtungen im Haushalt geht. Mit dem
Älterwerden der Kinder wird diese hierarchische Struktur zunehmend
aufgeweicht auch das ist ein Zeichen von Funktionalität. Minuchin
führt viele soziale Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen
darauf zurück, dass Eltern die ihrer Rolle zugehörige
Führungsaufgabe nicht übernehmen. Stattdessen definieren sie sich
als Freundin bzw. Freund ihrer Kinder oder sind wegen eigener
Verstrickungen nicht in der Lage, die für eine Konfrontation mit den
Kindern nötige psychische Präsenz herzustellen.
Jedes System erhält sich durch die Interaktion seiner Subsysteme. Es
gibt nach Geschlecht, Generation, Funktion und Interessen
unterscheidbare Subsysteme. Bestimmte Subsysteme existieren
permanent, z. B. das der Eltern, das der Eltern als erwachsenes Paar,
das Subsystem der Großeltern oder der Geschwister. Andere treten
nur zu bestimmten Zeiten oder in bestimmten Räumen in
Erscheinung bzw. ändern ihre personelle Zusammensetzung; das ist
z. B. bei den durch gemeinsame Interessen definierten Subsystemen