2026-001/documents/theory/diagnostics/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/410.md

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die einer systemischen Vernetzung ablöst. Dennoch sollte man
inhaltlich an diesem Perspektivenwandel festhalten.
Therapie entwickelt sich dann von einer herausgehobenen
Hilfeform für besonders schwer wiegende psychosoziale
Probleme klassisch als „Krankheit“ bezeichnet zu einer
von mehreren Möglichkeiten des Zugangs zu den
psychosozialen Wirklichkeiten unserer Auftraggeberinnen.
Entscheidend ist, dass sie alle einen gleichberechtigten
Status haben, konzeptionell aufeinander abgestimmt sind
und die Auftraggeberinnen als selbstverantwortliche
Expertinnen für ihren Alltag respektieren.
Therapie markiert in diesem Zusammenhang einen Raum, in
dem mit der intensiven Thematisierung von Problemen
zugleich eine Außenperspektive für den Zugang zu ihnen
eingeführt wird. Die Therapeutin hat dabei die Funktion eines
allparteilichen Dritten. Die problematischen Themen und
Beziehungen der beteiligten Mitglieder des Systems erhalten
einen Platz im therapeutischen System, der durch das
Spannungsverhältnis
zwischen
Nähe
und
Distanz
gekennzeichnet ist. Das Problem wird im Dialog seiner
Mitglieder rekonstruiert. Die dabei aktivierten Gefühle zeigen
in den meisten Fällen eine enge „Partnerschaft“ zwischen den
Mitgliedern des Mikrosystems und dem Problem. Diese Nähe
kann durch die Methode der Externalisierung dargestellt
werden: Das Problem wird dann quasi zu einer sprechenden
Person (z. B. „Ich heiße Angst und bin das Familienproblem“)
bzw. bedeutsamen Metapher (z. B. zu einem schweren
„Beziehungskoffer“, den die Familie auf ihrer bisherigen
„Beziehungsreise“ immer mit sich herumschleppt) im
familiären Beziehungsspiel. Die Therapeutin kann durch ihre
Fragen zugleich auch einen Prozess der Distanzierung der
Familienmitglieder von ihrem Problem anregen. Dadurch
werden sie zu Beobachterinnen des Problems und ihrer
Beziehung zu ihm. Das Gleiche geschieht hinsichtlich der