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5.5.4 Gemeinwesenarbeit
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von Werner Müller
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Eine quartiersbezogene, ganzheitlich orientierte Sozialarbeit ist
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ebenso alt wie die fürsorgliche Einzelhilfe, hat sich allerdings weitaus
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weniger schnell entwickeln können als diese. Zuwendung zu
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Einzelnen und Familien in Not passte im 19. Jahrhundert besser in die
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Vorstellung bürgerlichen sozialen Engagements als der Aufbau
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solidarischer Unterstützungsstrukturen. Gerade deshalb verdienen die
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frühen Vorläufer aus der „Settlement-Bewegung“ eine besondere
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Erwähnung.
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Unter
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dem
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Begriff
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Community
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Work
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(Gemeinwesenarbeit) wurden die von ihnen vorgedachten Konzepte
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in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts als dritte Methode der
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Sozialarbeit zugeordnet.
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In Deutschland taucht der Begriff „Gemeinwesenarbeit“ (GWA),
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von Ausnahmen abgesehen, erst in den Sechzigerjahren auf. Als
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Import aus den USA und den Niederlanden hatte GWA zunächst aus
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verschiedenen Gründen Akzeptanzschwierigkeiten.21
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Die seit der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre in Deutschland
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aufblühende GWA-Bewegung wurde vor allem durch bestimmte
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Personengruppen und Aktivistinnen getragen, die relativ unabhängig
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von Hierarchien agieren konnten: Ordenspriester oder Vikare auf
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kirchlicher Seite, die „Sozialpolitischen Aktionskreise“ (SPAK)22 und
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schließlich Sozialarbeiterinnen, meist im Auftrag von freien Trägern.
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Hier wurde ein Leitprinzip der GWA sichtbar, das in dem Konzept der
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„katalytischen Sozialarbeit“ (Karas u. Hinte 1978) im Mittelpunkt
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steht: Wer in lokalen Interessenkonflikten sich für einen
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Machtausgleich bzw. eine Machtverschiebung zugunsten der
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Schwächeren engagiert, der sollte in dem Handlungsfeld selbst kein
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„Machtführer“ sein, d. h. keine Verfügung über Geld, Gebäude und
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keine Amtsmacht haben. In der niederländischen GWA wurde aus
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ähnlicher Überlegung heraus eine entsprechende Konsequenz
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gezogen und für die Gemeinwesenarbeiterinnen anstelle lokaler
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