2026-001/documents/theory/diagnostics/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/157.md

34 lines
1.7 KiB
Markdown

und kollektive Bewältigung des sozialen Alltags sichert. Deshalb
dienen Rituale dazu, Erfolge zu feiern (z. B. den Gewinn einer
Meisterschaft), derer zu gedenken, die für das System wichtige
Leistungen erbracht haben (bei Geburtstags- und andere
Jahrestagsfeiern), Gemeinsamkeit zu betonen (z. B. bei
Familienfeiern) und Übergänge in der persönlichen Entwicklung zu
markieren (durch Initiationsrituale wie Konfirmation, Kommunion,
Jugendweihe).
Rituale bieten sich besonders als Markierungspunkte im Fluss der
Zeit an. Übergangskrisen im familiären Lebenszyklus wie Geburt oder
Tod, die kulturell geforderte Ablösung der Kinder, aber auch
Trennungen können ein der Entwicklung dienender Sinn
zugesprochen werden; Trauer, Schmerz, Verlustängste werden durch
Hoffnung, Zuversicht, Entdeckung eigener Stärken positiv
„eingerahmt“ (zum Begriff der Einrahmung siehe Pfeifer-Schaupp
1995).
In der Familie entwickelte und durch den kulturellen Kontext mehr
oder weniger angebotene Rituale können die Entwicklung der Kinder
fördern:
Zubettgehrituale helfen, von einem ereignisreichen Tag
Abschied zu nehmen und die Angst vor dem Einschlafen zu
mildern.
Rituale der täglichen Mahlzeiten bieten immer wiederkehrende
Zeitpunkte, an denen über das Leben der Kinder in und
außerhalb der Familie gesprochen wird und die Kinder Einblick
in die Welt der Erwachsenen außerhalb der Familie erhalten.
Religiös motivierte Rituale dienen der Einführung der Kinder in
das Weltbild der Eltern. Sie sollten die familieninterne
Auseinandersetzung darüber ermöglichen, um den Kindern
Wahlmöglichkeiten bei der Entwicklung ihres eigenen Weltbildes
zu eröffnen.
Neben dem durch die Verknüpfung des Subjektsystems Kind mit
seinem primären Bezugsystem entstehenden Mikrosystem Familie