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Abb. 15: Ein Modell der Evolution in sich selbst organisierenden
Systemen (nach Schacht 1992)
Diese „Abweichungen in den sonst stabilen und kontinuierlichen
Mechanismen des Prozessverlaufes“ (ebd., S. 99), die in der zweiten
Phase auftreten, werden in Prigogines Modell als „Fluktuationen“
bezeichnet. In der Regel versucht ein System zunächst, seine
Stabilität dadurch zu erhalten, dass es die Nichtveränderungstendenz
durch negatives Feedback verstärkt und damit die Fluktuationen
reduziert (konservative Lösung). In der oben genannten Familie
würde das vielleicht bedeuten, dass bei zunehmender Opposition
eines Kindes gegen grundlegende familiäre Regeln ein zusätzliches
Regel- und Kontrollwerk eingerichtet wird, um das unerwünschte
Verhalten zu stoppen. Erreichen die Abweichungen trotz aller
Einschränkungsversuche der Eltern einen bestimmten Schwellenwert,
können sie durch negatives Feedback nicht mehr ausgeglichen
werden. An diesem Punkt tritt die Veränderungstendenz massiv in
den Vordergrund, und es eröffnen sich viele Möglichkeiten der
weiteren Entwicklung. Prigogine spricht hier von „Verzweigungs- bzw.
Bifurkationspunkten“. „Das System tritt in eine Instabilitätsphase, in
der die bisherige Struktur des Systemprozesses auseinanderbricht
und kurzfristig eine scheinbar chaotische und völlig ungeordnete
Situation herrscht“ (Schacht 1992, S. 99). Im Sinn Morenos ist mit
dieser Unbestimmtheit die „Spontaneitätslage“ erreicht, durch die
neue, bisher fern liegende Verhaltens- und Erfahrungsmöglichkeiten
in den Horizont der Menschen treten. In unserem Beispiel: Das
Familiensystem ist durch das unerwünschte Verhalten eines Kindes
mit einer Vielzahl von sozialen Unterstützungsangeboten, z. B. der
öffentlichen Jugendhilfe, in Kontakt gekommen; es ergeben sich nun
eine
Vielzahl
von
Entwicklungsmöglichkeiten
für
alle
Familienmitglieder und das ganze Familiensystem. Die Eltern können
über eine Familientherapie lernen, sich zu entlasten, indem sie sich
nicht mehr als Ursache für das abweichende Verhalten ihres Kindes
definieren; der Sohn lernt vielleicht, seine Opposition gegen die
familiären Regeln weniger destruktiv auszudrücken; und die bisher im