2026-001/documents/theory/diagnostics/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/045.md

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missachtet die systemische Einsicht in die Kontextabhängigkeit jeder
Wirklichkeitsbeschreibung.
Dieses Beispiel zeigt: Auch das beobachtete System bzw. der
beobachtete Mensch unterliegt dem Prinzip der Rekonstruktion von
Wirklichkeit. Er nimmt die Beobachterin wahr, schreibt ihren
Handlungen Bedeutungen zu und antwortet darauf, was wiederum zu
einer Antwort der Beobachterin führt.
Durch
dieses
Wechselspiel
entsteht
bedeutungsvolle
Kommunikation, und das dabei sich bildende Beobachtungssystem
zeichnet sich durch folgende Elemente aus:
Rollenverteilungen, z. B. Beobachterin vs. beobachtete Person
bzw. Personen;
Regeln, z. B. unterwerfen sich die beobachteten Personen in
einem klassischempirischen Experiment den von der
Versuchsleiterin festgelegten Regeln;
Statusfestlegungen, z. B. verfügt in diesem Kontext die
Versuchsleiterin über mehr Informationen als die beobachtete
Person;
Beziehungsmuster, z. B. wird in diesem Kontext ein
komplementäres Beziehungsmuster hierarchischer Prägung
etabliert.
Beobachterin (= beobachtendes System) und beobachtete Person
bzw. Personen (= beobachtetes System) unterliegen aufgrund des
Prinzips der Rekonstruktion von Wirklichkeit einer wechselseitigen
Unsicherheit und Undurchschaubarkeit. Denn das Verhalten der
jeweils anderen ist in einem freiheitlichen, d. h. nicht totalitär
organisierten Kontext nicht erzwingbar.9 Auch filigran ausgetüftelte
pädagogische Methoden können das Verhalten der Schülerinnen nicht
eindeutig determinieren, d. h., Lehrerinnen können es zwar vorweg
festlegen, aber ob die Schülerinnen sich danach richten, bleibt
prinzipiell unsicher: Instruktive Interaktion ist nicht möglich.
Dennoch versuchen wir, diese Festlegung der anderen auf das von
uns erwünschte Verhalten zu erreichen, um für uns ein (trügerisches)