49 lines
2.2 KiB
Markdown
49 lines
2.2 KiB
Markdown
begrenztes Unterstützungssystem entsteht. Es folgt seinen eigenen
|
|
Gesetzen. Selvini Palazzoli sprach in diesem Zusammenhang vom
|
|
übergeordneten „Metasystem“ (Selvini Palazzoli et al. 1989);
|
|
Minuchin u. a. beschrieben die Bildung dieses „therapeutischen
|
|
Systems“ (Minuchin u. a. 1989), Goolishian und Anderson sprachen
|
|
von einem „problemdeterminierten System“: „Es organisiert sich um
|
|
das Sprechen über bestimmte Fragen, die das System enthält und
|
|
über die bestimmte Personen besorgt oder beunruhigt sind“
|
|
(Goolishian u. Anderson 1988, S. 200). Lösungsorientierte
|
|
Therapeuten wie de Shazer u. a richten ihre Interventionen auf das
|
|
Problemlösesystem (de Shazer 1989). Dieser Kontext integriert
|
|
Therapeutinnen
|
|
und
|
|
Klientinnen
|
|
unter
|
|
der
|
|
Zielsetzung
|
|
„Problemlösung“ für kurze Zeit zu einem System. Für die Praxis
|
|
bedeutet dies, dass auch noch so detaillierte Informationen, die über
|
|
eine Familie, ihre Lebenswelt und ihren Alltag vorliegen bzw. im
|
|
Familieninterview gewonnen werden, kein objektives diagnostisches
|
|
Bild dieses Systems erbringen. Sie sind an das von der
|
|
Sozialarbeiterin
|
|
und
|
|
ihren
|
|
Auftraggeberinnen
|
|
gebildete
|
|
Unterstützungssystem gebunden, d. h. an die Beziehung und das
|
|
zwischen beiden Seiten entstehende Muster. Von Bedeutung für ihre
|
|
Beziehung und die darin entstehenden Informationen sind u.a. die
|
|
„Tagesform“ der Beteiligten, der institutionelle Kontext, in dem die
|
|
Arbeit
|
|
stattfindet,
|
|
eventuelle
|
|
Teambeziehungen
|
|
und
|
|
der
|
|
„Überweisungskontext“ (siehe 6.2.4). Für die Sozialarbeit, Beratung
|
|
und Therapie umfassende systemische Arbeit empfiehlt sich statt der
|
|
Verwendung des Begriffs „Therapiesystem“ die Verwendung des
|
|
Begriffs „Unterstützungssystem“, statt „Klientin“ „Auftraggeberin“7.
|
|
Dadurch werden die klinische Einengung auf Therapie vermieden,
|
|
Probleme auch jenseits ihrer Lösung ernst genommen und das durch
|
|
die „Hilfe zur Selbsthilfe“ angestrebte „Empowerment“ betont. In der
|
|
Folge dieser Überlegungen erhalten auch Diagnosen einen zum
|
|
medizinischen Kontext unterschiedlichen Stellenwert. Sie sind keine
|
|
objektiven Beschreibungen eines Zustandes, aus denen möglichst
|
|
eindeutige lineare Behandlungsmaßnahmen abzuleiten sind.
|