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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 183 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
7. Systemische Ansätze in der stationären Jugendhilfe
tionären Jugendhilfe, die ja durchaus Aspekte eines Zwangskontextes
enthält, von größter Bedeutung.
2.2.4 Integrative Methodenvielfalt und Akzeptanz
in der Helferinnenkultur
Wie die nachfolgenden Fallbeispiele zeigen, beinhaltet der systemische Zugang zur sozialen Wirklichkeit eine Möglichkeit, Ressourcen
zu erschließen, Machtfragen gezielt zu kanalisieren und Abwertungsmechanismen zu vermeiden. Um eine solche Hilfeform im Alltag zu
etablieren, benötigen wir eine Hilfekultur, die bei allen Beteiligten Akzeptanz findet. Das setzt voraus, dass sich die Professionellen als lernende Gemeinschaft begreifen. Dies wird von außen erkennbar durch
regelmäßige Fallbesprechungen, Supervision, die gezielte Weiterentwicklung des Methodenrepertoires und seine praxisnahe Vernetzung.
Reflexive, ressourcenorientierte Arbeitsformen sind nicht allein theoretisch vermittelbar, sondern müssen ihren Platz finden in einer wohlwollenden, achtsamen Kultur, die sich als Lernort mit Wechselwirksamkeit begreift. Hierin liegt eine Anforderung an die persönliche
Haltung der Beteiligten. Die Verantwortung für diesen Prozess liegt
bei den Helferinnen, die auf verschiedenen Ebenen für diese Kultur
sorgen müssen. Sie tragen damit modellhaft zu ihrem Fortbestand,
Wachstum und auch zur ihrer eigenen persönlichen Weiterentwicklung bei. In der Praxis zeigt sich, dass gelernte systemische Methoden
nur in diesem Kontext wirksam werden können.
Methoden, die im Rahmen einer oberflächlichen »Verliebtheit« in
ihre temporäre Wirksamkeit isoliert eingebracht werden, führen zu
einem »Zauberlehrlingseffekt«. Kurzfristige Erfolge werden dann
langfristig erkauft mit der narzisstischen Aufblähung des Helferinnenegos, das dann seine Dialogfähigkeit verliert. Dann wird nicht mehr
auf die Perspektiven der anderen, in diesem Fall der Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien geachtet, sondern nur noch auf den eigenen Erfolg und das eigene Prestige. Paradoxerweise verhindert dies
Erfolge und führt letztlich zu Resignation und Burn-out. Die systemischen Methoden sind also nur »ergänzendes Beiwerk« im klientinnenorientierten Hilfeprozess (Sindt 2001). Sie sind hilfreich für
die Dynamisierung von ins Stocken geratenen Prozessen. Häufiger
Grund für solche Blockierungen ist die Vorliebe der Helferinnen, die
Kommunikation ausschließlich auf der verbale Ebene zu belassen.
Oft lassen sich Situationen durch den Wechsel der Kommunikations183