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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 88 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
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Friedhelm Kron-Klees
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• Wenn ich auf Eltern, auf die die Jugendhilfe durch Fremdmeldung
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aufmerksam gemacht wurde, mit einer Tendenz des Strafens oder des
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moralischen Verurteilens zuzugehen geneigt bin, tue ich vielleicht
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das, was in der Familie vorerst von mir auch erwartet wird. Einen Zugang der Hilfe werde ich mir dadurch aber erschweren, wenn nicht
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gar verbauen.
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Gehe ich jedoch davon aus, dass es auch in dieser Familie um die
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Bewältigung der schwierigen Aufgaben im familiären Zusammenleben geht, kann ich eher einen konstruktiven Zugang zu ihr aufbauen.
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Die Annahme ist, dass die Familie an die Grenzen ihrer positiven
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Möglichkeiten stößt und Hilfe benötigt für die Umsetzung dessen,
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was sie von sich aus durchaus an Positivem für ihre Kinder will. Eltern
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wollen in der Regel, dass ihre Kinder eine positive Entwicklung nehmen. Sie sind sich aber oft im Unklaren darüber oder haben falsche
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Vorstellungen davon, wie man diese Ziele in ein förderliches Erziehungsverhalten umsetzt (Berg u. Kelly 2001).
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»Elternschaft gehört zum Schwersten.« – »Alle Kinder bringen alle Eltern an und über die Grenzen ihrer positiven Erziehungsmöglichkeiten.« – »Eltern spüren (im Grunde ihres Herzens), wenn ihr Verhalten ihren Kindern gegenüber belastend wird.« Dies sind Sätze, die ich
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bereits bei jedem Erstkontakt einbringe und mit denen ich an Eltern
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andocke. Diese Sätze bilden die Grundlage von wechselseitigen Verstehensmöglichkeiten bei der Gestaltung einer Erstbegegnung und
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der darauf folgenden Suche nach Hilfeansätzen. Es sind Balsamsätze,
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mit denen die Familie mit Sicherheit beim Auftreten des Jugendamtes nicht gerechnet hat. Diese Sätze verwirren auf eine positive Weise
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und können die Bereitschaft fördern, Hilfe anzunehmen.
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Bevor ich also einen ersten Kontakt mit einer Familie aufnehme,
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muss ich mir selber darüber klar sein, wie meine Haltung zu begründen ist, mit der ich erhoffe, diese Begegnung so zu gestalten, dass die
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Fremdmeldung der erste Schritt der Hilfe ist. Diese Haltung macht es
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mir möglich, die Fremdmeldung zu würdigen (und sie erfahrungsgemäß von gehässigen Formen des Anschwärzenwollens zu trennen).
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Ich kann sie dann auch für die Gestaltung des Erstkontaktes mit der
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Familie selbst nutzen. Die meldende Person hat nämlich im Augenblick die beste Nähe zu der betroffenen Familie und kann mir helfen,
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die Situation genauer einzuschätzen. Wie wird die Not der Kinder gesehen? Ist sie derart, dass ich die Familie direkt (möglichst zusammen
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mit einer zweiten oder gar dritten Person) aufsuchen muss? Oder habe
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ich Zeit, diesen Schritt vielleicht in Form eines Briefes vorzubereiten?
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