2026-001/documents/theory/diagnostics/systemische-kinder-und-jugendhilfe/pages/027.md

36 lines
2.7 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 27 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
1. Systemische Kinder- und Jugendhilfe Eine Skizze
wicklungsaufgaben, von Havighurst noch sehr an die einzelne Person
geknüpft, können auch im Kontext der primären Beziehungssysteme
beschrieben werden. Eine familiäre Entwicklungsaufgabe besteht
z. B. darin, die Grenzen zwischen den Subsystemen (Eltern, Kinder,
Großeltern usw. siehe Ritscher 2002a) entsprechend der zunehmenden Eigenverantwortlichkeit der Kinder immer wieder neu zu bestimmen. Gelingt dies nicht, haben wir es im Sinne Bronfenbrenners
mit einer Krise im Mikrosystem Kind + Familie zu tun. Dadurch eröffnen sich dem Blick zwei Richtungen:
Wir können einerseits auf eine Entwicklungskrise des Subjektsystems Kind im Kontext seiner Familie achten. Sie entsteht durch die
Interaktion zwischen seinem biosozialen Wachstum, den kulturellen Forderungen der Gesellschaft an die Kind- und Elternrollen,
familiären Beziehungsmustern, Leitideen und den sich aus diesen
Perspektiven ergebenden Entwicklungsaufgaben. Das Kind als
Subjektsystem antwortet psychisch (kognitiv-affektiv s. Ciompi
1982) und verhaltensmäßig auf diese Entwicklungsaufgaben durch
eigene Bewältigungskonzepte, Selbstwirksamkeits-, Selbstwertund Identitätszuschreibungen. Sind diese Antworten sowie die der
Familie und anderer Mikrosysteme einigermaßen entwicklungsfördernd, wird das Kind die Entwicklungskrise als Chance nutzen
und das ihr immanente Risiko bewältigen.
Andererseits fällt der Blick auf die Übergangskrise der Familie im
Kontext der kritischen Entwicklung des Kindes. Auch die Familie
hat als Mikrosystem Entwicklungsaufgaben zu bewältigen, welche
durch die biosoziale Entwicklung der Familienmitglieder und die
damit interagierenden Anforderungen der Umwelt entstehen.
Auch die Familie entwickelt in diesem Zusammenhang als Mikrosystem eigene Bewältigungskonzepte, Selbstwirksamkeits-, Selbstwert- und Identitätszuschreibungen, die mit denen des Kindes
problemlos oder problemerzeugend interagieren.
Das KJHG hat im zweiten Kapitel (Leistungen der Jugendhilfe) über
den Katalog der präventiven Angebote im Bereich der Jugendarbeit,
der Familienbildung und Elternbeziehung sowie der »Hilfen zur Erziehung« als Krisenbewältigungsangebote schon deutlich definiert, in
welchen Situationen die Jugendhilfe tätig zu sein hat. Präventiv geht
es darum, ein entwicklungsförderndes soziales Umfeld im Gemeinwesen für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern zu gestalten, z. B. durch
Jugendzentren, Kinderbetreuungseinrichtungen, Beratungsstellen.
In den §§ 2735a und 42 ff. sind mehr oder weniger deutlich die Problemlagen benannt, auf die sich die Hilfen bei akuten und chronischen
27