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auch Zufluchtsorte. Zufluchtsorte, die auch die Profis brauchen: „In
der globalisierten Welt, die von fragmentierten Erfahrungen und
extremer Individualisierung gekennzeichnet ist, sind professionell
gestaltete Zufluchtsorte als positive Gegenerfahrung eine besonders
wichtige Aufgabe geworden.“ (Gahleitner/Reichel/Schigl/Leitner
2014, S. 9). Räume, in denen sich menschliches Handeln auf Grundlage einer gemeinsamen Ethik, die immer wieder neu ausgehandelt
wird, entfalten kann. Im Übrigen braucht es diese Räume auch „[…]
für verzweifelte junge Männer, die ihre Orientierungslosigkeit,
Machtlosigkeit oder die Abspaltung ihres Schmerzes möglicherweise in Gewalt gegen andere transformieren“ (Weiß/Sauerer 2018b,
S. 95). Das ist Politik im Arendtschen Sinne: Das Individuum hat
die Aufgabe, in Verbindung mit anderen Personen die Welt zu gestalten. Das Politische bedeutet einen öffentlichen Raum, in dem die
Menschen als Gleiche untereinander über die Angelegenheiten aller
Menschen debattieren und schließlich gemeinsam handeln. Dieses
politische Handeln sei Freiheit, die nur im Bezug der Menschen
zueinander entstehe (Arendt 2016b).
Wir vermögen nicht, das Leid, das Kinder erfahren, aus der Welt zu
schaffen. Doch wir können helfen, es zu lindern. Manche Kinder wie
Anna brauchen intensivere stationäre Unterstützung zur Traumabearbeitung. Andere wie Sonja z. B. haben es geschafft. Und Sonja
hat darüber hinaus eine transgenerationale Folge unterbrochen: Sie
wird ihre Kinder keinem Mann zum Missbrauch zuliefern.
Philipp und Jana sind nun erwachsen. Als ich das letzte Mal von
Philipp hörte, wollte er zur Bundeswehr gehen. Er habe begriffen
so formulierte er , dass er für sein Leben verantwortlich ist. Es gehe
ihm gut, er sei relativ zuversichtlich. Sein Liebesleben machte ihm
ein wenig Sorgen, er lebt mit seiner Freundin zusammen. Ob er
immer noch Angst vor den Albträumen hat, kann ich nicht sagen.
Ich hoffe nicht, denn Philipp weiß nun, wo sie ihren Ursprung
haben. Und er hat Techniken erlernt, die ihm helfen, die Angst
einzudämmen. Er ist hoffentlich immer noch zuversichtlich, dass er
keinen Menschen missbrauchen wird, um Macht zu spüren. Philipp
hat in den sechs Jahren in der Jugendhilfe viel geschafft. Er hat seine
Lebensgeschichte kognitiv erfasst und teilweise auch betrauert. Er