2026-001/documents/theory/diagnostics/philipp-sucht-sein-ich/pages/248.md

34 lines
2.3 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

248
müssen. Nur dann können wir die Mädchen und Jungen dabei
unterstützen, ihre Reaktion als eine normale Reaktion auf eine unnormale Umwelt zu verstehen, ihr Überleben wertzuschätzen und
neue, selbst- und fremdschützende Verhaltensweisen zu entwickeln.
Die Korrektur von geschlechtsspezifischen und sexuellen Normen
der traumatisierten Mädchen und Jungen setzt eine hohe persönliche Fähigkeit zur Reflexion der eigenen Normen und die Fähigkeit
des Teams zur Reflexion der Geschlechterfrage, zur Enttabuisierung
von Sexualität und sexuellen Grenzüberschreitungen und zur Offenheit für Gegenreaktionen auf Übertragung sexualisierter Gewalterfahrungen voraus.
Im Umgang mit Jungen und Mädchen, die sexuell misshandeln,
ist die Unsicherheit hoch. Rahmenrichtlinien zum Umgang mit
Jungen und Mädchen, die sexuelle Gewalt ausüben, dienen der
Minimierung von vorschnellen Verurteilungen, Abschiebungen und
Bagatellisierungen (auch 12.1). Konzepte zur geschlechtsreflexiven
Pädagogik, zur Sexualpädagogik und zur Hilfestellung gegen sexuelle
Gewalt vergrößern die Handlungssicherheit der Pädagog*innen und
die Transparenz der sozialpädagogischen Arbeit in Einrichtungen
der Erziehungshilfen. Das gilt insbesondere dann, wenn diese
Konzepte mit den Heimräten erarbeitet werden. Sie dienen nicht
zuletzt der Opfer- und Täterprävention. Der professionelle Umgang mit sexueller Gewalt setzt eine durch Konzeption gestützte
Struktur und die Unterstützung der Pädagogik durch gruppenübergreifende Dienste voraus. Die Auseinandersetzungen um Sexualität
und Geschlechterrolle bedürfen eines geschützten Rahmens. Dies
gilt mit besonderer Dringlichkeit für Kolleginnen und Kollegen, die
in Erziehungseinrichtungen wohnen und für Pflegefamilien. Gerade
hier beweist sich noch einmal, wie notwendig die Unterstützung
durch Beratung, Supervision und Aneignung von Fachwissen ist.
Literaturtipps
Buttner, P. (Hrsg.) (2010): Die Kategorie „Geschlecht“ in der Kinder- und Jugendhilfe.
ARCHIV für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit. 2/2010.
Deutsches Jugendinstitut e.V. (2015): Coming-out und dann…?! http://www.dji.de
Kavemann, B./Nagel, B./Doll, D./Helfferich, C. (2019): Erwartungen Betroffener
sexuellen Kindesmissbrauchs an gesellschaftliche Aufarbeitung. Herausgeberin:
Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs.