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126
7.1
Ohne gute Bindung kein Wachstum
Gute Bindungen gelten als Grundlage für eine Korrektur
traumatischer Erfahrungen. Das Aufgehobensein in einer Beziehung
ist der hauptsächliche Schutz gegen traumainduzierte Psychopathologie (van der Kolk 2000, S. 88). Dies gilt sowohl während als auch
nach der Zeit der traumatisierenden Erfahrungen.
Jana z. B. überlebte die traumatischen Erfahrungen auch, weil zuhause ihre
Oma und in der Kindertagesstätte ihre Erzieherin einen Teil ihrer Not sahen
und sie versorgten.
Die Sicherung von kontinuierlichen Bezügen entscheidet darüber, ob
Kinder wie Jana und Philipp ihre Bindungsmodelle (3.2) korrigieren
werden, ob sie sich dem Wagnis von Vertrauen und Beziehung erneut aussetzen und kohärente → Bindungsrepräsentationen entwickeln können. Die Erfahrung, da ist jemand, für den bin ich
wichtig, ist für Kinder wie Jana und Philipp oft eine neue Erfahrung.
Das Bedürfnis nach Bindung und nach einer sicheren emotionalen
Basis ist eine lebenslange Motivation. Gesunde Autonomie innerhalb von Bindungen im Gegensatz zu zwanghafter Unabhängigkeit entwickele sich im Rahmen sicherer Bindungen bis ins spätere
Jugendalter, so die Bindungsforscher Klaus und Karin Großmann:
„Dabei können vor allem Erzieher und andere wichtige Personen
auch außerhalb der engen Kernfamilie eine entscheidende Rolle
spielen“ (2002, S. 51). Selbst wenn die frühen Bindungserfahrungen
erheblich negativ waren, können dennoch korrigierende weil
transparente und verlässliche Bindungsangebote dazu beitragen,
dass Kinder wie Jana und Philipp Vertrauensfähigkeit und ein
sicheres Bindungsverhalten entwickeln lernen.
Auch wenn es den Mädchen und Jungen schwerfällt bzw. es
ihnen manchmal unmöglich ist zu vertrauen, brauchen sie dieses
Angebot. Die Mädchen und Jungen suchen Beziehung. Das Heim
gilt dann als akzeptable Alternative, wenn sie eine exklusive Beziehung auch zu den anderen Mädchen und Jungen aufbauen
können. „Der personale Bezug zu Professionellen wurde von
den jungen Erwachsenen insbesondere dann als bedeutsam für