2026-001/documents/theory/diagnostics/philipp-sucht-sein-ich/pages/115.md

32 lines
2.0 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

115
gesteuerte Standardisierung des Bildungssystems die individuelle
Entwicklung der Mädchen und Jungen.
Die demokratische Pädagogik
Erst dieser Blick auf das Kind ermöglichte Vertrauen in die kindliche Selbstorganisation und die Demokratisierung der Beziehungen
zwischen Erwachsenen und Kindern. Demokratie sei mehr denn
„[…] nur eine Regierungsform; sie ist in erster Linie eine Form
des Zusammenlebens, der gemeinsamen und miteinander geteilten
Erfahrung;“ so der amerikanische Philosoph und Pädagoge John
Dewey (1916/2011, S. 121). Er gründete 1896 in Chicago mit seiner
Frau Alice eine Versuchsschule, in deren Mittelpunkt Lernen aus
Erfahrung und die Demokratisierung der Erziehung standen. Sie verstanden Demokratie als eine Lebensform, in der sich Menschen frei
entfalten, ohne andere in ihrer Freiheit einzuschränken, wie auch
Rosa Luxemburg, für sie war „Die Freiheit […] immer die Freiheit
des Andersdenkenden.“
In Österreich, Deutschland und in der Sowjetunion boten Erwachsene in mehrwöchigen Kinderrepubliken in den 20er Jahren
des letzten Jahrhunderts einen Rahmen für die eigenverantwortliche Gestaltung des Gemeinschaftslebens durch die Kinder selbst
(Giesecke 1997, S. 185 ff.), die weit über das hinausgeht, was wir
heute unter Partizipation fassen. Etwa zur selben Zeit entwickelten
Janusz Korczak in Polen und A. S. Neill in England demokratische
Formen der Mitbeteiligung. Korczak führte in dem von ihm geleiteten Waisenhaus Dom Sierot (19121942) Kinderbeteiligung
in Form eines Gerichtes ein, vor dem das einzelne Kind zu seinem
Recht kommen konnte. Alexander S. Neill (18831973) errichtete
Anfang des 20. Jahrhunderts die Schule Summerhill. Die Kinder
sollten sich ohne äußere Autorität seelisch und körperlich frei entfalten können. Neill definierte die Freiheit als Möglichkeit, „[…]
tun und lassen zu können, was man mag, solange die Freiheit der
anderen nicht beeinträchtigt wird“ (1969, S. 123) und weiter: „Es
muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass Freiheit nichts