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Traumatisierte Mädchen und Jungen in Kindertagesstätten
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»Schau, überall läuft das Blut runter« – Kinder aus Kriegsgebieten
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Yasser konnte das nicht so sagen, wie in der Überschrift formuliert, er brauchte ganz
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andere Möglichkeiten des Ausdrucks. Mit fünf Jahren kam er nach Deutschland zu einem Onkel, den er nie zuvor gesehen hatte. In Syrien hatte er miterlebt, wie seine ihn
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betreuende, heiß geliebte Großmutter bei einem Sprengstoffattentat getötet wurde.
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Yasser sprach das erste halbe Jahr kein Wort, er hatte keine Erfahrung mit einer Betreuung in einer Institution. Ihn beschäftigten ganz andere Bilder und Gedanken. Er störte
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andere Kinder, warf Dinge um, suchte vielleicht Kontakt, indem er Sachen ganz einfach
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wegnahm. Essen wollte er nicht, er trank Wasser. Von Erwachsenen ließ er sich an der
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Hand führen, nahm aber keine Beziehung auf. Nach drei Monaten vergeblicher Versuche
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herauszufinden, was ihm vielleicht gefallen könnte, nahmen wir ihn mit in ein Ausdrucksmalatelier (Bundschuh/Picard 2013).
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Yasser reagierte sofort, holte sich einen dünnen Pinsel, Farbe ockerbraun. Seine Hand
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zitterte sehr. Er malte eine Kugel, dann alles andere Dunkelblau. Auf der Kugel stand
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jemand mitten im All. Er wollte wieder und wieder ins Atelier. Er malte ohne Zittern, er
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nahm Kontakt auf mit der Malleiterin, er lächelte. In einer Stunde nahm er dann den
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ganzen Farbtopf dunkelrot und warf ihn mit voller Wucht gegen sein Papier. Über Papier
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und Wand und Boden und Yasser liefen blutrote Spuren. Yasser war erschrocken, er
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schaute zur Malleiterin, sie sagte: »Ich sehe das, überall läuft Blut runter«. Und das durfte gerade so sein. Seine Bilder konnten Sprachlosigkeit und Erstarrung lindern.
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»Das ist wie so ein Karussell im Kopf« –
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Ein FAS (Fetales Alkoholsyndrom)-Kind
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Jim war drei Jahre alt, als er in die Kita kam, winzig kleiner Kopf, keine Sprache, nur
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Zischlaute und ununterbrochen motorisch aktiv. Jim war ein FAS-Kind, die Mutter drogen- und alkoholabhängig, aber ihrem Kind sehr zugewandt und fürsorglich. Jim lernte
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und lernte und übte und übte, er war meist sehr fröhlich, er erkundete alles und war
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überall dabei. Bloß, was er gestern gerade mit Spaß geübt hatte, wusste er heute nicht
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mehr. Von vorne begann das Spiel, montags schlimmer als freitags. Irgendwann begann
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er zu merken, dass andere Kinder, Pädagog*innen und Eltern ihn nicht ständig an das
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erinnern wollten, was geht und was nicht geht. Beim Mittagessen kam es zu Katastrophen. Weil er sitzen bleiben sollte, warf er Nudeln an die Wand und versteckte sich.
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Alles wurde ausprobiert: Er durfte zwischendurch raus, er durfte alleine essen, er durfte spielen, keinen Erfolg. Auf die Aussage seiner genervten Erzieherin: »Oh, Mensch, Jim,
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sag mir doch einfach, was du jetzt willst«, erklärte er: »Immer, wenn du das so sagst, das
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stimmt aber, dann ist das immer so wie ein Karussell im Kopf und alles wirbelt durcheinander.«
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»Hast Du das gesehen, das mal ich jetzt alles schwarz« –
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Sexualisierte Gewalt und Tod
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Bei Luise kumulierten die Traumata. Ihre Mutter war schwer krebskrank, ihr Vater Alkoholiker. Sie lag – vierjährig – neben der Mutter im Bett, als diese starb. Der Vater missbrauchte seine Tochter, nach dem Tod der Mutter reiste er mit ihr als »Tochterfrau« nach
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