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erlitten, stellte eine Zunahme von Misshandlungen nach der Geburt fest (Stewart 1994). Die Geburt eines Kindes ist grundsätzlich mit großen Veränderungen für die Beziehung und die Lebenssituation der Eltern verbunden: Das Neugeborene kann Stress, Schlafmangel und finanzielle Veränderungen bedeuten. Langzeitstudien über die Veränderung der Partnerschaft nach der Geburt eines Kindes weisen auf eine Zunahme von Streit und Konflikten hin (GlogerTippelt zit. in Wimmer-Puchinger/Baldaszti 2001). In einer Misshandlungsbeziehung kann die Gewalttätigkeit des Partners bzw. das vorherrschende Muster von Gewalt beeinflusst werden (Holmes/Mayer 2003). Ein eifersüchtiger, dominanter Partner kann sich durch die hohe Aufmerksamkeit, die das Neugeborene von der Mutter erhält, „bedroht“ fühlen und sich extrem besitzergreifend verhalten, so dass die Mutter am Stillen des Neugeborenen gehindert, zum Sex gezwungen oder beschuldigt wird, Verhältnisse mit anderen Männer zu haben. Das Infragestellen der Vaterschaft gilt als ein Risikofaktor für schwerwiegende Gewalt (Holmes/Mayer 2003). Zur Dynamik von Beziehungsgewalt während Schwangerschaft und Geburt liegen insgesamt allerdings erst wenige Erkenntnisse vor (Campbell 1998). Ein enger Zusammenhang besteht zwischen Gewalt gegen Mütter und Gewalt gegen Kinder. Das US Department of Health & Human Services geht aufgrund von Studienergebnissen davon aus, dass die Überschneidung von häuslicher Gewalt und Kindesmisshandlung je nach Studiendesign 30% bis 60% beträgt (DHHS 2003). In medizinischen Versorgungseinrichtungen wurde festgestellt, dass 45% bis 59% der Mütter von misshandelten Kindern gleichfalls von Gewalt betroffen sind (ebd.). Kinder können sowohl direkt von körperlicher Gewalt durch den Partner der Mutter sowie indirekt als Zeugen von häuslicher Gewalt betroffen sein. Das Miterleben von Gewalt gegen Mütter bleibt nicht ohne negative Auswirkungen und gesundheitliche Folgen für die Kinder (Kavemann 2002; Heynen 2004). Die Bedeutung von Prävention zeigt sich nicht nur aufgrund der kurzfristigen sondern insbesondere auch angesichts der langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen. Die US-amerikanische „Adverse Childhood Experiences“-Studie (ACE-study) unter 9508 Erwachsenen zeigt einen hochsignifikanten Zusammenhang zwischen traumatisierenden Kindheitserfahrungen - wie körperliche Gewalt gegen die Mutter - und einem risikoreichen Gesundheitsverhalten sowie einer erhöhten Morbidität im Erwachsenenalter. Psychische und somatische Beschwerden und Erkrankungen wie Depression, Suizid, Schlaganfall, koronare Herzerkrankung, Diabetes, Hepatitis, Lungenerkrankungen etc. korrelierten mit hohen Kindheitsbelastungen (Felitti/ Anda et al. 1998). Angesichts der großen Überschneidung sollte der Zusammenhang von Kindes- und Frauenmisshandlung bei der medizinischen Versorgung stärker beachtet werden, denn so kann eine potentielle Gefährdung von Mutter und Kind durch häusliche Gewalt frühzeitig erkannt werden (Holmes/Mayer 2003).