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Sozialisationsprozesse zu stark aus der Perspektive der Persönlichkeitsentwicklung betrachtet werden. Man kann sagen, dass dies in der gegenwärtigen Formulierung des MpR keine wirkliche Problematik mehr darstellt. Es kann vielmehr heute von einem Gleichgewicht gesprochen werden, das die analytische Ebene des Subjektes mit der analytischen Ebene der Umfeld- und Kontextfaktoren verbindet. Auch die Kritik am Konzept der Entwicklungsaufgaben ist inzwischen in das Modell eingegangen. Eine zögerliche Betrachtung der Bedeutung sozialer Ungleichheiten ist ebenfalls nicht mehr Gegenstand der Kritik von außen, da die Frage der Produktion und Reproduktion ungleicher Lebenschancen eine tragende Säule der Argumentation im MpR darstellt. Es gibt aber auch maßgebliche Weiterentwicklungen in der sozialisationstheoretischen Diskussion. Hierzu gehört, dass nicht mehr nur noch die Psychologie und Soziologie als theoretische Inputgeber gelten. Heute haben die Neurowissenschaften und die Genetik zusätzlich ihren Platz im Spektrum der Theoriebildung gefunden. Die Funktion, die sie einnehmen, ist indes eine andere als zunächst gedacht. Sowohl die Neurowissenschaften als auch die genetischen und verhaltensbiologischen Ansätze sind nicht so weit gekommen, wie noch vor wenigen Jahren, zu Beginn ihrer Diskussion, erwartet wurde. Wie sich genetische und epigenetische Einflüsse auf die sich entwickelnde Persönlichkeit auswirken, ist zwar heute plastischer geworden. Das Gleiche gilt für den Aufbau und die Funktion der neuronalen Vernetzung. Für beide Bereiche gilt aber gleichermaßen, dass an der grundlegenden Ausrichtung der Sozialisationsforschung, wenn sie nach dem Einfluss von stimulierenden Umweltfaktoren auf die Genese basaler Hirn- und Körperfunktionen oder der emotionalen und Kompetenzentwicklung fragt, keine Änderung erfolgte. Im Gegenteil sogar: Gerade die »neue« interdisziplinäre