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Die kumulative Wirkung von Ungleichheiten
Aktuell vergrößern sich die Unterschiede zwischen Familien, die ihren Kindern sehr gute materielle Lebensbedingungen, eine gute Ausstattung an Wohnung und Kleidung, reichhaltige Freizeit- und Bildungsimpulse, gesunde Ernährung und eine gute Erziehung auf der Basis einer sicheren Bindung bieten können, und Familien, die in allen diesen Bereichen Einschränkungen haben. Diese Unterschiede in der Ausprägung der sozialen Ressourcen in den primären Sozialisationsinstanzen werden in die produktive Verarbeitung der äußeren Realität einbezogen und wirken sich auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder aus. Kinder aus sozial privilegierten Familien starten auf diese Weise mit ungleich besseren Voraussetzungen für die Bewältigung der lebenslaufspezifischen Herausforderungen als die aus sozial benachteiligten Familien. Dies zeigen eindrucksvoll die Erkenntnisse von Lareau oder anderer Detailstudien, etwa für das Gesundheitsverhalten und das Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit (Kroll 2010, S. 72 ff.; Weyers 2011), den Umgang mit Medien- und Konsumangeboten (Stecher 2005) oder das Ernährungsverhalten in den Mittepunkt stellen (Oncini 2019). Die Traumatisierung durch Fluchterfahrungen, die Erfahrung von schwerer Krankheit oder der Tod eines Angehörigen bedeuten Sonderfälle der Beeinflussung der eigenen Bewältigungsfähigkeit. Obwohl diese Erfahrungen nicht an die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Milieu gekoppelt ist, haben auch diese Erfahrungen Auswirkungen auf die Lebensführung. Treten sie in das Orchester der unterschiedlichen, intersektionalen Einflüsse sozialer Ungleichheit ein, sind sie zumeist ein Verstärker der Wirkung von belastentenden Lebensbedingungen.