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Gleichzeitig aber votiert er dafür, die wesentlichen Dispositionen einer Persönlichkeit nicht für kontingent (also für zufällig) zu halten. Der Handlungssinn und die Motivation der Menschen leitet sich nicht aus Strukturen einer Persönlichkeit ab, die einfach bereits da ist. Deswegen ist gerade der Prozess der Entstehung jener Subjektstrukturen für Oevermann wichtig. Das Schaltzentrum eines Menschen, mit seinen Wünschen und Präferenzen, einer spezifischen Mentalität und Werthaltungen, reagiert auf gesellschaftliche dominante Leitbilder, auf einen spezifischen gesellschaftlichen Code der Weltwahrnehmung und Weltbewertung. Darum muss jede Perspektive, die auf das Individuum gerichtet ist, auch die gesellschaftlichen Sinnstrukturen im Hintergrund abbilden – da diese den Rahmen setzen, der eine bestimmte Entwicklung bedingt. Der Begriff der sozialisatorischen Interaktion kehrt an dieser Stelle noch einmal wieder. Im Interaktionsraum nehmen zunächst die primären Bezugspersonen in der Familie die Rolle der Sinnvermittler ein. Diese beschreiben den gesellschaftlichen Code der Erwartungen und übersetzen ihn zugleich in legitime Wünsche einer nachwachsenden Generation (wobei die illegitimen Wünsche eliminiert werden). In diesem Milieu einer sozialisatorischen Interaktionen bilden sich die frühesten Strukturen der Weltdeutung aus, an die dann erweiterte Formen der sozialisatorischen Interaktion andocken und immer mehr zu einem kohärenten Konstrukt der Persönlichkeit werden, die die Fähigkeit besitzt, durch sozialisatorische Interaktion normierte Erwartungen an die Persönlichkeit fehlerfrei zu erfüllen. Oevermanns Arbeiten blieben interessanterweise unterbewertet, zumindest im Verhältnis zu Umfang und Radikalität seines Denkens (Graz/Raven 2015). So hatte Oevermann beispielsweise schon früh auf Defizite der Sozialisationsforschung aufmerksam gemacht, die sich auf