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Frustrationstoleranz ist notwendig, weil Rollenerwartungen und Bedürfnisse von Menschen nur selten vollständig übereinstimmen. Viele Rollen erlauben nur eine geringe Befriedigung der eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Dennoch muss ein Mensch in ihnen handeln und die Interaktion in ihren Bahnen aufrechterhalten. Hierfür ist die Fähigkeit notwendig, trotz der geringen Bedürfnisbefriedigung und trotz der Einschränkungen von Handlungsmöglichkeiten die Kommunikation fortzusetzen. Die Entstehung der Ich-Identität
Jürgen Habermas muss ebenso wie sein akademischer Schüler Lothar Krappmann (der ebenfalls nachfolgend noch vorgestellt wird) als Vertreter der kritischen Rollentheorie verstanden werden. Beide wenden sich gegen eine Deutung des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft, in dem soziale Strukturen und ihre Wirkung auf die Integration des Individuums die Oberhand haben (wie noch im Strukturfunktionalismus bei Parsons sehr deutlich der Fall). Individuelles Handeln ist für Habermas mehr als nur der mechanische Vollzug sozialer Rollenerwartungen. Rollenhandeln ist für ihn zwar eine bedeutsame, zugleich aber nicht die einzige Facette menschlicher Handlungsbefähigung. Habermas bindet in seine sozialisationstheoretischen Annahmen darum die Eventualität und Potenzialität autonomen Handelns ein. Mit der »Ich-Identität« wird nach der natürlichen und der Rollenidentität die höchste Stufe der Identitätsentwicklung erreicht, die das Individuum zu autonomem Handeln befähigt. Auf dieser Stufe befreit sich das Individuum von strikter Normenbindung und Normenbefolgung und ist in der Lage, gesellschaftliche Zwänge zu überwinden. Das Entwicklungsmodell von Habermas beinhaltet damit im Kern, dass die Rollenidentität der Heranwachsenden nur eine Stufe in der Entwicklung zu einer potenziell