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versehen, er kann sich in die Rolle der anderen Kommunikationspartner begeben, die soziale Umwelt konstituieren, und er entwickelt auf diesem Wege Bewusstsein und Selbstbild. Die Beziehungen zwischen Person und Umwelt werden in dieser Theorie erstmals wie im gesellschaftstheoretischen Zugang der Vertreter der Frankfurter Schule dialektisch gesehen. Das heißt, gesellschaftliche Bedingungen beeinflussen, determinieren aber nicht Bewusstseins- und Handlungsstrukturen. Menschliches Bewusstsein und menschliches Handeln sind kein mechanischer Ausdruck der sozialen Strukturen. Vielmehr bilden sich nach dieser Theorie die sozialen Strukturen aus den wechselseitigen Beziehungen der Menschen untereinander. Die sozialen Strukturen sind das Produkt der Interaktion und Interpretation der menschlichen Subjekte (Mead 1968, S. 307). Die soziale Realität wird als ein interindividuelles Arrangement verstanden, das jeweils mit Bedeutungen belegt und unterlegt wird. Es handelt sich um ein Arrangement, das sich verselbstständigen, dem aktiven Interpretationsprozess entziehen und den Individuen als scheinbar dinghaft gestaltete Realität entgegentreten kann. Mead bindet also in der zusammenfassenden Perspektive die Vorstellung von Gesellschaft an den Prozess des kommunikativen Handelns. Gesellschaft ist ein kollektives Handeln, das aus der Verbindung der Handlungen aller am gesellschaftlichen Leben beteiligten Menschen besteht. Die Verbindung der einzelnen Handlungen wird durch den Prozess der wechselseitigen Rollenübernahme vollzogen. Durch die Internalisierung gesellschaftlicher Werte und Normen ist soziales Handeln erst möglich, und umgekehrt verändert sich die Gesellschaft durch die Verbindung sozialer Handlungen. Gesellschaft in diesem Verständnis ist eine Verkettung stabiler Handlungsmuster (Krappmann 1985; Mühlbauer 1980, S. 60).