1.7 KiB
Mann zu sozialisieren, wurde sehr lange als eine Selbstverständlichkeit erachtet. Noch vor einer Generation wäre unvorstellbar gewesen, was heute für Jugendliche eine möglich ist: die Infragestellung enger geschlechtlicher Zuordnungen und die Möglichkeit, Geschlechtsidentitäten aufzubrechen oder neue Identitäten zu leben. 2. Die zunehmend bedeutsamere Rolle digitaler Medien ist ein anderes Beispiel, das zeigt, wie schnell sich Entwicklungen Bahn brechen, wenn der Erfahrungshorizont keine Alternativen zulässt. Junge Menschen wachsen heute wie selbstverständlich mit digitalen Medien auf. Der Verzicht auf sie, den »Erwachsene« häufig verlangen, bedeutet für sie den Verzicht auf eine Lebenswelt, die für sie so selbstverständlich ist wie der Rekurs auf eine »analoge Erfahrungswelt« unverständlich. Durch diesen Wandel werden ganz andere Reichweiten der Kommunikation schon im Kindesalter möglich. Vor allem Kinder und Jugendliche interagieren mit ihrer Umwelt sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht anders als das noch in den nicht-digitalen Alterskohorten zuvor der Fall war. Das neunte Prinzip der Bedeutung intersektionaler Ungleichheiten ist der Rekurs darauf, dass auch entwickelte Wohlstandsgesellschaften Gesellschaften durch ein großes Ausmaß an ökonomischer, sozialer und kulturellsymbolischer Ungleichheiten gekennzeichnet sind. Dadurch kommt es zu Unterschieden in den Sozialisationsprozessen der Bevölkerungsgruppen mit einem hohen und einem niedrigen sozioökonomischen Status. Menschen, die in privilegierenden Kontexten leben, steht in ihrer alltäglichen Lebenswelt von Geburt an ein reichhaltigeres Ausmaß an personalen und sozialen Ressourcen zur Verfügung als Menschen, die in einem benachteiligenden Kontext leben.