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Raw Blame History

Kooperative Erarbeitung einer Zielhierarchie im Prozessschritt Zielsetzung (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 274). Dem eigentlichen Setzen von Zielen geht ein längerer Prozess der Zielfindung voraus, der einen analytisch-diagnostischen Prozess miteinschliesst (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 276).

Zielhierarchie — Drei Ebenen

Das KPG-Konzept unterscheidet drei Zielebenen (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 275):

  1. Fernziel — Übergeordnetes, teilhabeorientiertes Ziel. Gibt den Orientierungsrahmen, ist langfristig angelegt und beschreibt einen anzustrebenden Endzustand (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 287).
  2. Grobziele — Funktionale Meilensteine, die aus den diagnostischen Erkenntnissen abgeleitet werden. Im Prozessschritt Zielsetzung werden ausschliesslich Grobziele formuliert; sie sollen analyse-diagnosebasiert und für die Beteiligten motivierend sein (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 289).
  3. Feinziele — Operationalisieren Grobziele für die Interventionsplanung nach SMART-Kriterien. Werden erst in Kap. 3.5 formuliert (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 286).

Bildungsziele (BZ) vs. Unterstützungsziele (UZ)

Aus dem übergeordneten Auftrag der Sozialen Arbeit ergibt sich die Unterscheidung (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 285):

  • BZ (Bildungsziel): Ziele, die einen Kompetenzzuwachs bei Klientinnen anvisieren. Können nur von Klientinnen selbst bzw. gemeinsam mit Professionellen formuliert werden — nie verordnet. Erfordern Partizipation.
  • UZ (Unterstützungsziel): Ziele für Professionelle, die den Bildungsprozess ermöglichen (Rahmenbedingungen schaffen, Vernetzung, Ressourcen bereitstellen).

Mindestens 1 BZ und 1 UZ sind erforderlich. Beide müssen fachlich begründet sein.

Bedeutsamkeit: Kopf, Herz, Hand

Auf der Ebene der Bildungsziele soll nicht nur der Verstand, sondern der ganze Mensch angesprochen sein — im Sinne von Pestalozzis Grundsatz (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 286):

  • Kopf — Ist das Ziel fachlich begründbar? Stellt es dem Verstand eine Aufgabe?
  • Herz — Ist das Ziel emotional bedeutsam für die/den Klient*in? Spricht es an?
  • Hand — Ist das Ziel im Alltag umsetzbar? Eröffnet es die Möglichkeit, etwas Konkretes zu tun?

Diese drei Ebenen müssen stimmig zusammengeführt werden, damit Bildungsziele für Klient*innen wichtig, bedeutsam und motivierend sind.

Kooperative Zielfindung

Das gemeinsame Entwickeln von Zielen ist eine Antwort auf die ethische und fachliche Anforderung, Klient*innen nicht zu manipulieren (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 276). Der Prozess vollzieht sich als Pendelbewegung: Der Blick geht zurück zu Anliegen, Ressourcen, Fallthematik und Arbeitshypothese — dann richtet er sich in die Zukunft (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 283).

Zielfindung mit wenig motivierten Klient*innen: Im Zwangskontext formulieren Professionelle zunächst Unterstützungsziele als Orientierungslinie für das eigene Handeln, um Erfahrungsfelder zu schaffen, durch die Klient*innen schrittweise eigene Perspektiven entwickeln können (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 281).

Qualitätsanforderungen an Zielformulierungen

Gute Zielformulierungen stellen eine Herausforderung dar (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 284):

  • Positiv formuliert (Anstrebensziel, nicht Vermeidungsziel)
  • Endzustand beschreiben, nicht Vorgehensschritte/Massnahmen
  • Nicht zu offen (Verbesserung des Sozialverhaltens reicht nicht) und nicht überdetailliert
  • Kriterien für gute Grobziele: den Klient*innen wichtig, bedeutsam, diagnosebasiert, motivierend, erreichbar und akzeptiert (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 288)

Tipps

  • Überprüfe bei jeder Zielfindung in zweifacher Hinsicht den Bezug zu Diagnose/Analyse: als inhaltliche Grundlage UND als Hinweis auf kritische Punkte im kooperativen Zielfindungsprozess (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 290).
  • Der Aufwand für die gemeinsame Zielfindung wird oft unterschätzt, lohnt sich aber: Mit der Zielvereinbarung wird Verbindlichkeit hergestellt, die systematisches Arbeiten an Lösungen ermöglicht.
  • Zwei hilfreiche Konzepte für die Zielfindung: Lösungsorientierter Ansatz (Wunderfrage, Skalierung, Ausnahmen — Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 277) und Zürcher Ressourcen Modell (ZRM) (Motto-Ziele, somatische Marker — Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 279).