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Genderbewusste Kinder- und Jugendhilfe?
Grundsätzlich hat sich die Kinder- und Jugendhilfe geschlechtsspezifischer Arbeit in den letzten Jahren stärker zugewandt. Doch auch hier gibt es viele Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen, die nicht wenig Einfluss auf die Chancen sozialer Teilhabe haben. Inanspruchnahmezahlen von Hilfen zur Erziehung zeigen in den letzten 20 Jahren: Mädchen erhalten weniger und später als Jungen Hilfen zur Erziehung (AKJstat 2021, http://hze.ipnext24.de/kapitel1-ergebnisse-im-ueberblick, Abfrage 01.09.2023). Sie halten lange in der Familie aus, werden vom Jugendhilfesystem tendenziell eher übersehen und melden sich häufiger als Jungen als Selbstmelderinnen im Jugendamt. Diese unterschiedlichen Zugänge der Jugendhilfe zu den Geschlechtern repräsentieren die unterschiedlichen gesellschaftlichen Erwartungen. Die Jugendhilfe betrachtet die Situation der Jungen auf dem Hintergrund der Leistungssituation in Schule und Ausbildung und in Bezug auf ihr Legalverhalten, die der Mädchen eher im Hinblick auf Erhalt der Herkunftsfamilie. Jungen kommen jünger in Erziehungshilfen (Baur u. a. 1998, S. 135), ihnen wird insofern eine Neuorientierung mit professioneller Unterstützung eher zugestanden als Mädchen.
Geschlechterbewusste Traumapädagogik
Geschlecht unterscheidet Sozialisation und gesellschaftliche Stellung, Verarbeitungsstrategien traumatischer Erfahrungen und Wahrnehmung in der Kinder- und Jugendhilfe prägen die Pädagogik. Ein Ziel geschlechtsbezogener pädagogischer Arbeit muss es also sein, die gesellschaftlichen und lebensbiografischen Auswirkungen des Geschlechterverhältnisses zu erkennen und Mädchen und Jungen in ihrer Reflexion zu unterstützen. Hierzu gehört die Auseinandersetzung mit dem Verständnis kultureller Zweigeschlechtlichkeit und einer gesellschaftlichen Realität, in der Mädchen und Jungen bzw. Männern und Frauen je nach Geschlecht unterschiedliche Lebenskonzepte und -räume, Verhaltensweisen und Wertigkeiten zugeschrieben werden. Eine wesentliche Grundlage