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201 Und wenn der 14-jährige Martin Drogen vertickt, stiehlt und keine gute Schulleistung erbringt, ist das vielleicht in erster Linie seine Antwort auf die gesellschaftliche Ungleichheit, auf seine Chancenlosigkeit und nicht ein primär individuelles Versagen.
Bewältigung und soziale Teilhabe erfordern auch die Beteiligung der Menschen an politischen Prozessen und sind nicht ausschließlich durch Manuale gegen Dissozialität zu haben. Die Orientierung von Professionen wie Psychiatrie und Therapie am Behandlungs- und Krankheitsmodell wirkt abschreckend: „[…] eine Konzentration auf die Behandlung solcher Strategien als Störungen, ist (Einf. der Autorin) […] häufig blind gegenüber dem Sinn der Strategien in den vorherigen – und in der Regel ja auch nachfolgenden – Lebensverhältnissen der Kinder.“ (Wolf 1999, S. 35). Und in der Tat ist es für Kinder wie Philipp und Jana von großer Bedeutung, ob wir sie als emotional gestörte, dissoziale Kinder bezeichnen oder ob wir ihre Verhaltensweisen als Notwehr begreifen. Auch die Pädagoginnen haben einen Anteil an dem schwie rigen Verhältnis Pädagogik/Therapie. Nicht selten werden die erschreckenden Bilder der traumatischen Erfahrungen an die Therapeuten delegiert. Oder sie schauen bewundernd auf die Therapeuteninnen und unterschätzen ihr eigenes Tun und ihre Möglichkeiten der Unterstützung. Jedoch entfaltet sich die Wirkkraft der Hilfe vom natürlichen Lebensalltag aus, dies haben aktuelle Jugendhilfestudien aufgezeigt. „Kinder und Jugendliche aus stationären Einrichtungen weisen eindeutig den Fachkräften im Alltag die größte Veränderungsrelevanz für positive Verlaufe zu.“ (Gahleitner 2016, S. 56) Das schwierige Verhältnis der Pädagogik zu allen Bezugswissenschaften erschwere zusätzlich die Suche nach einem gleichberechtigten Gegenüber und beeinflusse die Zusammenarbeit mit den therapeutischen Disziplinen. Mit der Öffnung der Pädagogik gegenüber anderen Wissenschaften verliere die Pädagogik ihr Selbstverständnis und ihren Wert, beklagt Fatke (1985). So wird z. B. die wachstumsfördernde Bedeutung der Beziehung als ein Ergebnis der Psychotherapieforschung benannt, obwohl die Erkenntnis, eine wertschätzende Beziehung sei Grundlage jeglichen Wachstums, eine