2026-001/documents/theory/diagnostics/verhaltensauffaelligkeiten/pages/200.md

43 lines
3.1 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
Ein non-direktives Verhalten zu Beginn kann beispielsweise das Kind verunsichern. Demgegenüber können ein transparentes strukturiertes Vorgehen, das
Geben von Informationen und ein Sicherheit und Zuversicht ausstrahlender
Therapeut dem Kind ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.
Eine zu frühe und negative Gefühle vertiefende Empathie kann zu einer
Triggerung des Kindes (oder Bezugsperson) führen, ohne dass sich das Kind
schon sicher genug fühlt und irgendein therapeutischer Nutzen daraus resultieren würde.
Der Therapeut hat einen durchdachten Behandlungsplan und braucht einen
geschmeidigen Stil, um zwischen Konfrontation und Sicherheit geben (Empathie, Informationen geben) wechseln zu können (Gangwechsel; Gordon
1993), sobald das Kind im Zuge der Hinarbeitung auf die Traumaexposition
(die imaginierte Annäherung an die Traumasituation) Unwohlsein und Vermeideverhalten zeigt.
• Differentielle und störungsspezifische Interventionen
Bedrohungsfreiheit und Gefühl personaler Sicherheit sind Voraussetzungen, um
traumatische Erinnerungen zu bearbeiten. Der Therapeut tut alles, um dies zu
gewährleisten. Kinder müssen für die Traumakonfrontation motiviert werden.
Dazu sind folgende Komponenten wichtig:
• Der Therapeut entwickelt mit dem Kind zusammen ein gemeinsames Verstehensmodell der traumatischen Erfahrung und seiner Folgen (Psychoedukation).
Dies wirkt auch möglichen Vorstellungen des Kindes entgegen, »verrückt« zu
sein. Der Therapeut benötigt dazu psychotraumatologisches Fachwissen.
• Explizite Therapieziele werden zusammen formuliert (Zielübereinstimmung).
• Es besteht eine Übereinstimmung über das weitere Vorgehen. Das Kind muss
verstanden haben, warum es sich noch einmal mit dem Schrecken konfrontieren
und dem Vorgehen zustimmen muss (Informiertes Einverständnis).
• Übereinstimmung über gemeinsame Therapieziele und das weitere Vorgehen
müssen immer wieder überprüft werden.
• Zur Stabilisierung des Kindes im Hier und Jetzt können stabilisierungs- und
ressourcenaktivierende Übungen (Sicherer Ort, Tresor-Übung, Ressourcen-Installation) durchgeführt werden (Hensel 2007a). Eine Traumaexpositionsmethode (s. o.) wird fachgerecht durchgeführt.
• Arbeit mit dem sozialen Umfeld
Der Therapeut muss sicherstellen, dass das Kind vor weiterer Traumatisierung
geschützt ist und durch seine Bezugspersonen angemessene Unterstützung bei
der Bewältigung seiner traumatischen Erfahrung erhält. Es ist von besonderer
Bedeutung, dass die Bezugspersonen eine funktionale Sichtweise haben, was zum
Beispiel die Verantwortung für das Geschehen angeht. Ist dies nicht der Fall, ist
gesonderte vorrangige Bezugspersonenarbeit notwendig.
Vorschulkinder brauchen zur Verarbeitung des Traumas die Anwesenheit einer
Vertrauensperson. Diese Person muss (falls mit betroffen) das Trauma bereits
sches Einfühlen, bedingungsfreie Wertschätzung und Echtheit und Selbstkongruenz (Rogers,
1973; vgl. insgesamt zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie Kap. 6.3 in diesem
Buch).
200