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5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
Die Reaktionen von Kindern auf extremen Stress sind alterssensitiv. Jüngere Kinder
sind gefährdeter und zeigen auch andere Reaktionen (Trennungsängstlichkeit, Regression, Verlust von bereits erworbenen Fähigkeiten). Scheeringa et al. (1995, 2003)
haben deshalb alternative Kriterien für eine PTBS im Vorschulalter entwickelt.
Aufgrund invalider Kriterien empfiehlt die Amerikanische Gesellschaft für Kinderund Jugendlichenpsychiatrie (AACAP 1998), »ein Kind oder einen Jugendlichen mit
einer posttraumatischen Belastungsstörung dann als behandlungswürdig anzusehen, wenn das Alltagsleben des Kindes oder Jugendlichen beeinträchtigt ist, auch
wenn nur ein einziges Kriterium erfüllt ist« (Übersetzung in Hofmann & Besser
2003).
Abschließend sei erwähnt, dass die PTBS bei Kindern nicht die häufigste Traumafolgestörung sein muss. So fanden Ackermann et al. (1998) in einer Untersuchung von 241 Kindern, die sexuelle und körperliche Gewalt erlebt hatten, heraus,
dass die PTBS nur die vierthäufigste Diagnose nach Trennungsängstlichkeit, Phobien, oppositionellem Verhalten und vor ADHS war.
Epidemiologie
Das Ausmaß der Traumatisierung von Kindern und Jugendlichen durch »alltägliche« Ereignisse (Unfälle, Verluste, medizinische Maßnahmen, Mobbing) und besondere Vorkommnisse ([sexuelle] Gewalt, Kriege, terroristische Akte, Naturkatastrophen, usw.) ist lange Zeit auch von Fachleuten stark unterschätzt worden. Noch
in den 1980er-Jahren war man der Meinung, dass Kinder nur kurzfristig auf belastende Ereignisse reagieren.
In den aktuellen S3 Leitlinien werden die neueren epidemiologischen Daten wie
folgt zusammengefasst (AWMF 2019, S. 51): »Mehr als die Hälfte aller Kinder und
Jugendlichen erleben eines oder mehrere potenziell traumatische Ereignisse, bevor
sie das Erwachsenenalter erreichen. Die Häufigkeit solcher Ereignisse ist in hohem
Maße von den sozialen, gesellschaftlichen und umweltbezogenen Rahmenbedingungen abhängig, in welchen das Individuum aufwächst. … In einer Metaanalyse,
die auch Daten aus nicht repräsentativen Studien enthielt, fanden Alisic et al. (2014),
dass im Durchschnitt 15,9 % der Kinder und Jugendlichen, die einem potenziell
traumatischen Ereignis ausgesetzt waren, eine PTBS entwickeln. In einer repräsentativen deutschen Studie (Perkonigg et al. 2000) berichten 25,5 % der männlichen
und 17,7 % der weiblichen Befragten (zwischen 14 und 24 Jahren), bereits ein
traumatisches Ereignis erlebt zu haben, bei einer PTBS-Lebenszeitprävalenz von
1,3 %. Die Kriterien für eine aktuelle PTBS nach DSM-Kriterien erfüllten 4,2 % aller
Befragten. Mädchen, im Vergleich zu Jungen, waren in allen … Studien mehr als
doppelt so häufig von einer PTBS betroffen«. Nach diesen Studien gehören Traumafolgestörungen zu häufigen psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen.
Bemerkenswert ist weiterhin die hohe Komorbiditätsrate der PTBS mit affektiven
Störungen, Angststörungen, Somatisierungsstörungen und Störungen des Sozialverhaltens. Perkonigg et al. (2000) fanden, dass 87,5 % der Jugendlichen und jungen
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