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5.3 Komplexe Auffälligkeiten
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Pädagogische und therapeutische Begegnung
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Da, wie beschrieben, die Auffälligkeiten der Borderline-Störung aus frühen dysfunktionalen Beziehungserfahrungen resultieren, wird auch in der Arbeit mit
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Menschen, die entsprechende Auffälligkeiten zeigen, die Arbeit in, an und mit der
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Beziehung die zentrale Bedeutung haben. Es wird zum einen darum gehen, eine
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therapeutische Haltung zu realisieren, die es ermöglicht, neue, korrigierende Beziehungserfahrungen zu machen; zum anderen ist es nötig, die Patientin im therapeutischen oder pädagogischen Setting spezifisch im Aufbau der Selbstwahrnehmung und Affektregulation zu unterstützen und ihnen ein Umgehen mit der oft als
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unkontrollierbar erlebten Symptomatik zu ermöglichen, sie also auf dem Weg der
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Entwicklung von Selbstkontrolle konkret zu unterstützen.
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Dies bedeutet für die therapeutische Grundhaltung, dass zunächst über die Beziehung ein sicherer Rahmen zur Verfügung gestellt wird, in dem sich die Patientin
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gehalten (und ausgehalten) fühlt und verlässliche, vor allem kontinuierliche Spiegelung erfährt. »In diesen Zusammenhang gehört es auch, als Therapeut starke
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Gefühle auszuhalten« (Leichsenring 2004, S. 267). Weiterhin gilt: »Wesentlich für
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den Umgang mit Affekten in der Therapie ist es auch, dass der Patient erlebt, dass er
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den Therapeuten gefühlsmäßig erreichen und bewegen kann« (ebd., S. 268).
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Auch im Rahmen des strukturierteren Vorgehens der »Dialektisch-Behavioralen
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Therapie (DBT)« (Linehan 1996, Bohus 2002; Bohus & Haaf 2001) ist die Einstellung der Therapeutin deutlich dadurch gekennzeichnet, dass »die Therapeuten
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konsequent auf Seiten der KlientIn stehen« (Linehan,1996, S. 6). Der Therapeut soll
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als authentisches Gegenüber wirken: »Der Therapeut bietet sich (…) als zielorientierter, engagierter und emotional greifbarer Partner an. Er sollte seine Gefühle
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sensitiv wahrnehmen und diese sehr früh auch benennen. Methoden wie ›technische
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Neutralität und Gegenübertragungsdeutung‹ sollten besser unterlassen werden«
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(Bohus 2002, S. 22). Dabei wird eine »Balance zwischen Akzeptanz und Veränderung« hergestellt: »Der erste Schritt zur inneren Distanzierung aber ist die Akzeptanz. Erst, wenn ich anerkenne, dass die Situation jetzt so ist, wie sie ist und nicht
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anders, kann ich mich von ihr distanzieren und sie aktiv gestalten (…) Akzeptanz
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bedeutet nicht, die Situation gut oder negativ zu heißen, sondern schlicht deren
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Existenz festzustellen« (ebd., S. 24). Zugleich wird hiervon ausgehend die Hoffnung
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und Bereitschaft nach Veränderungen und (besserer) Bewältigung von (Alltags‐)
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Situationen gelebt. Besondere Bedeutung hat eine ressourcenorientierte Haltung
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und damit eine »Balance zwischen Unterstützung und Forderung: Wann immer
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möglich, sollte der Therapeut die vorhandenen Fähigkeiten der Patientinnen erkennen, adaptives Verhalten und Selbstkontrolle verstärken und sich weigern, in
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Situationen die Verantwortung zu übernehmen, in denen die Patientin selbst für
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sich sorgen kann« (ebd., S. 26).
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Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) hat sich in den letzten Jahren in
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Deutschland relativ stark verbreitet, was daran liegt, dass die Abbruchquoten mit
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20–25 % deutlich geringer sind als die Abbruchraten bei unspezifisch ambulanter
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Psychotherapie der Borderlinestörung (diese liegt bei ca. 75 %; Angaben nach Bohus
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2002, S. 21; die Zusammenstellung zur guten Wirksamkeit dieses Verfahrens findet
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sich auch bei Renneberg 2001, S. 418). Das Behandlungsprogramm der DBT ist
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