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5.1 Internalisierende Auffälligkeiten
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fahrungen sind letztlich von Misserfolg gekennzeichnet und es werden weiter Anstrengungen unternommen, die Kontrolle wieder herzustellen.
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Dieses Grundmuster gilt besonders für die Anorexie, findet sich aber auch bei der
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Bulimie. Im Zusammenhang mit der Bulimie wird diskutiert, dass sexuelle Gewalterfahrungen – eine extreme Form des erlebten Kontrollverlusts – eine hohe
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Bedeutung haben. 30 % der Patientinnen mit einer Bulimie haben entsprechende
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Vorerfahrungen (vgl. Franke 2001, S. 378); möglicherweise bestehen solche Zusammenhänge auch zu den anderen Ess-Störungen; hierzu fehlen jedoch klare
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Daten.
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Bei Patienten mit einer Bulimie spielt unter Umständen auch eine Rolle, dass die
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besondere Form des Essverhaltens zur Spannungsregulation beiträgt: Durch die
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»Fressattacken« können innere Anspannungen verringert werden, die Sättigung
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führt (zunächst) zur Selbstberuhigung.
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Für Patienten mit adipösen Auffälligkeiten kann das übermäßige Essen auch eine
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Bedeutung als »generalisierter Verstärker« haben. Es dient als Ersatz für alle emotionalen, sozial wichtigen Ereignisse. Es kann als einzige Möglichkeit gesehen
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werden, sich »etwas Gutes zu tun« und hilft »auch gegen Langeweile und Einsamkeit« (vgl. Franke 2001, S. 381 f). Es folgt dann ein Teufelskreis der Entmutigung: Die
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(jugendlichen) Patienten erleben sich als zu dick, sind dadurch mit sich unzufrieden,
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zeigen ein geringes Selbstwertgefühl. Aus dieser Enttäuschung heraus (manchmal
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auch dem Gefühl: »Es ist sowieso alles egal«) wird erneut übermäßig gegessen.
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Ein anderer Negativkreislauf besteht im Zusammenhang mit der Inaktivität:
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Körperliche Aktivität wird von Menschen mit erhöhtem Körpergewicht als besonders anstrengend und belastend erlebt. Dadurch wird im Alltag weniger Aktivität
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(z. B. Fahrstuhl fahren statt Treppensteigen) gezeigt, was sich natürlich wiederum
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negativ auf die Gewichtskontrolle auswirkt.
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Insgesamt ist zu vermuten, dass ein wichtiges Spezifikum der Essstörungen auch
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in der Bedeutung des Essens in der Familie zu sehen ist:
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• Wurde Essen als Bestrafung (oder Belohnung) eingesetzt?
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• Welche Atmosphäre herrschte beim Essen?
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• Wurde Zuwendung über Essen ausgedrückt? etc.
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Die Ursachen lassen sich wie in Abbildung 5.5 dargestellt zusammenfassen
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(c Abb. 5.5).
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Aufgrund lebensgeschichtlicher Faktoren – die natürlich nicht primär mit dem
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Essen zusammenhängen – und familienstruktureller Bedingungen kommt es schon
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vor Eintritt der Auffälligkeit bzw. Erkrankung zu einer tendenziellen Selbst(wert)
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unsicherheit und zu einer generelleren Unzufriedenheit mit sich selbst. Angesichts
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der hohen Bedeutung der Körperlichkeit in der Jugend – resultierend vor allem aus
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gesellschaftlichen Idealen und Vorgaben – und der Konfrontation mit den jugendtypischen Entwicklungsaufgaben wird drohender Kontrollverlust erlebt.
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»Prospektive Verlaufsuntersuchungen zeigen, dass junge Frauen, die mit dem eigenen Körper unzufrieden sind, ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines gestörten Essverhaltens aufweisen« (Zeeck et al. 2020, S. 70).
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