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5.1 Internalisierende Auffälligkeiten
Biologische Faktoren
In der Literatur wird übereinstimmend davon ausgegangen, dass ein Zusammenhang zwischen übermäßigen, entwicklungsinadäquaten Ängsten und dem (Temperaments)Merkmal der »Verhaltenshemmung« (Behavioral Inhibition) besteht.
Kagan et al (1988) beschreiben mit behavioraler Inhibition »ein Temperamentsmerkmal, das durch ein zurückgezogenes und scheues Verhalten in neuen, unvertrauten Situationen charakterisiert ist und mit hoher sympathischer Erregung in
diesen Situationen einhergeht« (Schneider & Blatter-Meunier, 2019, S. 505).
»Zahlreiche klinische Studien haben gezeigt, dass Behavioral Inhibition mit einem
erhöhten Risiko der sozialen Phobie bzw. starker sozialer und auch anderer Ängste
einhergeht, und dies sowohl bei den betroffenen Kindern als auch bei den Eltern
(z. B. Schwartz et al. 1999, Turner et al. 1996)« (Lieb & Müller 2002, S. 47).
Dabei zeigt sich, dass Kinder »mit dem Merkmal der Verhaltenshemmung im
Vergleich zu spontanen Kindern ein erhöhtes sympathisches Erregungsniveau und
zugleich Rückzugsverhalten erkennen ließen, wenn sie mit neuen unbekannten
Reizen konfrontiert wurden« (Petermann et al. 2002b, S. 250). Dies bedeutet, dass
bei (starken) neuen Reizen eine erhöhte Stressanfälligkeit besteht. Es kommt zu
einem schnellen Anstieg der physiologischen Erregung und des Noradrenalinspiegels. Diese physiologische Stressreaktion führt zu einer eingeschränkten Informationsverarbeitung auf neurophysiologischer Ebene: »Informationsverarbeitungsprozesse (können) nicht ungehindert ablaufen (…), so dass es in der Folge zu Denk- und
Handlungsblockaden kommen kann« (ebd.). Auch Rothbart und Bates (1998) beschreiben ähnliche Dimensionen, die sie »angstvoller Distress« nennen. Dieser
umfasst »die Dimensionen Rückzug, Angst und schlechte Anpassungsfähigkeit (…).
[Er] entspricht damit am ehesten einer durch ängstlich vermeidendes, schüchternes
und gehemmtes Verhalten geprägten Temperamentsausprägung, wie sie für die
Angststörungen typisch ist« (Petermann et al. 2002b, S. 251).
Zusammengefasst lässt sich sagen: Kinder mit einer Verhaltenshemmung zeigen
häufiger Angststörungen und eine Verhaltenshemmung bei Kindern tritt häufiger
unter den Angstpatienten auf (vgl. Schneider 2004, S. 66). Allerdings ist eine Verhaltenshemmung weder notwendig noch hinreichend für die Entwicklung einer
Angststörung. Das heißt, nicht alle Kinder mit Verhaltenshemmungen haben
Angststörungen und nicht alle Kinder mit Angststörungen sind verhaltensgehemmt
(vgl. Essau 2014, S. 188 ff). Auch Petermann et al. (2002b) weisen darauf hin, dass das
»Temperament vielmehr als Anstoß einer Entwicklung verstanden werden [muss],
die in Abhängigkeit von Lernfaktoren und der Selbstregulation eines Kindes gehemmtes und ängstliches Verhalten verstärkt« (ebd., S. 251).
Soziale Faktoren
Eine Vielzahl von Studien macht einen engen Zusammenhang zwischen dem
ängstlichen Verhalten der Eltern und dem der Kinder deutlich. So berichten in der
Bremer Jugendstudie 34 % der Jugendlichen mit Angststörungen, dass auch bei den
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