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5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
Die Ursachen sind nicht eindeutig geklärt; es werden »neben geschlechtsspezifischer
Sozialisation von Mädchen und Jungen auch erhöhte Anforderungen an Mädchen
in der frühen Adoleszenz und geschlechtsspezifische Differenzen in der Emotionsregulation diskutiert«, sowie »Unterschiede in den biologischen Veränderungen
während der Pubertät, der Zeitpunkt der Pubertät wie auch Unterschiede in den
sozialen Konsequenzen von früher bzw. später körperlicher Reifung bei Mädchen
und Jungen als Risikofaktoren für die Entwicklung von Depression im Jugendalter«
(Pössel, 2019, S. 678).
Komorbidität
Depression ist häufig mit anderen psychischen Störungen kombiniert: »Für das
Kindes- und Jugendalter wird heute davon ausgegangen, dass Depression mindestens ebenso häufig gemeinsam mit weiteren Störungen auftritt wie als alleinige
Diagnose« (Groen & Petermann, 2011, S. 41, vgl. Deutsche Gesellschaft für Kinderund Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2003). Am häufigsten treten Zusammenhänge mit Angststörungen, Drogenmissbrauch und Suizidversuchen auf.
Verlauf
In der zeitlichen Abfolge sprechen die empirischen Ergebnisse dafür, dass in der
Regel eine Angststörung der Depression »vorausgeht« (z. B. Bremer Jugendstudie: In
72 % der Fälle trat zuerst Angst, zumeist soziale Angst, dann Depression auf; vgl.
Essau et al. 1998b); andere komorbide Störungen treten in den meisten Fällen
ebenfalls vor Sichtbarwerden ausgeprägter depressiver Symptome auf (Groen et
al. 2004 S. 449).
Zahlreiche Untersuchungsergebnisse von Langzeitstudien zeigen, dass sich bei
Nichtbehandlung depressive Störungen verfestigen und im Lebenslauf immer
wieder auftreten (rezidivieren) (Groen & Petermann, 2011, S. 53). Bei einer Diagnose einer depressiven Episode bereits im Grundschulalter erhöht sich das Risiko
10- bis 12-mal eine oder weitere depressive Episoden im Jugendalter zu erleben (Frey
et al. 2020).
Ursachen, Erklärungsansätze
Insgesamt wird von multikausalen Ursachen ausgegangen, wobei »ein andauerndes
Stresserleben einen wesentlichen Beitrag für das Auslösen einer depressiven Episode
und auch für ein erhöhtes Wiedererkrankungsrisiko« (Schulte-Körne 2023, S. 215)
hat.
Biologische Faktoren
Besondere Bedeutung haben auch bei der Depressionsentstehung unterschiedliche
Temperamentsfaktoren und Dispositionen zur Affektregulation auf neurophysio86