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3.3 Integratives bio-psycho-soziales Modell zur Erklärung von Verhaltensauffälligkeiten
Die Bindungsforschung6 geht davon aus, dass frühe Bindungserfahrungen zu einem
»inneren Arbeitsmodell« (»internal working model«) führen, das später die Art und
Weise des Bindungsverhaltens des Kindes bestimmt und auch Erwartungen an
(neue) Beziehungen generiert. Eine wesentliche Variable für die Entwicklung der
Bindungsrepräsentationen ist die »Feinfühligkeit« (Ainsworth et al. 1978) der Bezugspersonen: die Fähigkeit, die Signale des Kindes wahrzunehmen, richtig zu interpretieren sowie prompt und angemessen zu beantworten (c Abb. 3.4).
In Anlehnung an Booth et al. (2003) differenziert Ahnert (2008, 2007) fünf
Komponenten von Beziehungserfahrungen im Bindungsprozess (Zuwendung, Sicherheit, Stressreduktion und Explorationsunterstützung), die relevant für die
Ausbildung sicherer Bindungsrepräsentationen sind.
Erwartungen
Beziehungserfahrungen
Interaktionsverhalten der
Bezugspersonen
Kategorien:
• Regelmäßigkeit
• Verlässlichkeit
• Feinfühligkeit
• Emotionale Unterstützung
• Wechselseitigkeit und
Synchronizität der Interaktion
(Responsivität)
• angemessene Stimulation
Innerseelische
Abbilder von „Bindung“
Mentale Bindungsrepräsentationen,
„internal working model of
attachment“)
BindungsVerhalten
(4 Typen)
• Sicher
• Unsichervermeidend
• Unsicherambivalent
• Desorganisiert
Balance zwischen
Bindung und Exploration
Abb. 3.4: Modell der Entstehung von Bindungsrepräsentationen
Bereits nach 1218 Monaten lassen sich Unterschiede im Bindungsverhalten der
Kinder anhand des standardisierten Versuchs der sogenannten »Fremden Situation«
feststellen; vier Bindungstypen lassen sich differenzieren7 (c Tab. 3.1):
6 Das Konzept der Bindungsforschung ist an verschiedenen Stellen (z. B. Grossmann 2001,
Brisch 1999) ausführlich beschrieben, so dass an dieser Stelle nur die Grundgedanken dargestellt werden; diese basieren auf der entsprechenden Grundlagenliteratur.
7 Es muss darauf hingewiesen werden, dass die Studien zum Bindungsverhalten und den
Bindungstypen in westlichen, individualistisch geprägten Kulturen durchgeführt wurden.
Neuere Untersuchungen zum Bindungsverhalten in eher kollektivistisch geprägten Lebensformen und Kulturen bestätigen diese vier Bindungstypen nicht oder nur eingeschränkt (vgl. hierzu Keller, 2019)
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