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Einleitung
In diesem Buch wird versucht, das Thema Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und
Jugendlichen und die entsprechenden professionellen Unterstützungsmöglichkeiten aus einer integrierten, theorieschulenübergreifenden Perspektive zu betrachten. Dabei werden disziplinübergreifend Erkenntnisse zusammengeführt, im
Sinne der sich weiterdifferenzierenden »Klinischen Entwicklungspsychologie« (vgl.
z. B. Oerter et al. 1999, Röper et al. 2001), »Entwicklungspsychopathologie« (vgl.
z. B. Resch et al. 2001) und »Entwicklungswissenschaft« (vgl. z. B. Petermann et
al. 2004).
Ausgangspunkt ist zunächst eine Begriffsbestimmung des Gegenstandes »Verhaltensauffälligkeit« und eine Definition und Klassifikation; diese orientiert sich an
den etablierten Systemen des ICD und des DSM-5® (Falkal & Wittchen 2015). Die
ICD-10 (vgl. Dilling et al. 2002) wurde beginnend ab dem 1. 1. 2022 von der ICD-11
(BfArM, 2022) in Deutschland abgelöst, beginnt allerdings erst langsam, sich auf
praktischer Ebene bei der Klassifizierung seelischer (und körperlicher) Erkrankungen durchzusetzen. So schreibt das »Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizintechnik« (BfArM, 2022) hierzu: »Die Einführung der ICD-11 in Deutschland zur
Morbiditätskodierung wird aufgrund der hohen Integration der ICD im deutschen
Gesundheitswesen und der damit verbundenen Komplexität noch mehrere Jahre in
Anspruch nehmen und kann auch die für die Mortalitätskodierung angedachte
flexible Übergangszeit überschreiten«. Es wird daher die »alte« ICD 10 immer auch
erwähnt werden.
Danach wird das allgemeine bio-psycho-soziale Modell zur Erklärung der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten entwickelt. Neben einer (entwicklungs)psychologischen Perspektive, bei der die (frühen) Interaktionserfahrungen von Kindern
im Fokus stehen, ist die Bedeutung von Risiko- und Schutzfaktoren für die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben und Lebensanforderungen ein zentrales Thema.
Im Weiteren werden die häufigsten Formen von Verhaltensauffälligkeiten im
Kindes- und Jugendalter dezidiert betrachtet:
Nach einer spezifischen Definition wird dann jeweils auf die Epidemiologie
eingegangen; hier werden neben den Prävalenzraten auch Verläufe und Komorbiditäten referiert, sofern dazu Daten vorlagen. Die jeweiligen Beschreibungen der
Ursachen orientieren sich an dem bio-psycho-sozialen Grundmodell.
Abschließend werden spezifische Therapie- bzw. Unterstützungsformen aufgezeigt. Hierbei bestand/besteht das logische Problem, dass diese Unterstützungsmöglichkeiten und -angebote in systematischer Weise erst im sechsten Kapitel des
Buches in ihren Grundlagen aufgezeigt werden. In den jeweiligen Kapiteln zu den
einzelnen Verhaltensauffälligkeiten wird auf Schwerpunkte in Richtung eines stö13