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6.6.3.4Primärperspektive Vernetzung von System, Subsystem und
Kontext
Diese Perspektive verdanken wir vor allem Minuchin. Er sah in der
Grenzbildung und Interaktion zwischen den Subsystemen einen
wesentlichen Faktor der familiären Dynamik und setzte ihn auch in
entsprechende Methoden um, so in seinen Methoden zur
„Restrukturierung“ eines problematischen Familiensystems (siehe Minuchin
u.
Fishman
1983).
Sie
ermöglichen
den
strukturierenden,
komplexitätsreduzierenden Blick auf die Subsysteme, ihre Grenzbildungen,
Bündnisse, Ausgrenzungen und Beziehungsrichtungen. Diese Perspektive
wird genutzt, wenn das Team für einen bestimmten Zeitraum nur mit
einem Subsystem arbeitet und die anderen Familienmitglieder auch durch
die Veränderung der Sitzordnung in die Position der aufmerksamen, aber
schweigenden Beobachterinnen versetzt sind. Die Eltern werden z. B.
gebeten, sich in einer Ecke des Raumes zu platzieren und von hier aus das
Gespräch zwischen der Sozialarbeiterin und ihrem „Sorgenkind“ zu
verfolgen. Alles, was dann zwischen diesen beiden zur Sprache kommt,
erhält den Status von indirekten Botschaften an die Eltern. Vielleicht
können sie durch dieses Arrangement zum ersten Mal hören, wie belastet
sich das Kind durch den verborgenen Auftrag fühlt, die Eltern
zusammenzuhalten oder für die Sicherheit eines suizidalen Elternteils zu
sorgen. Das in die Beobachterinnenposition versetzte Subsystem kann auch
gebeten werden, hinter der Scheibe bei den außerhalb des Raumes
agierenden Teammitgliedern Platz zu nehmen und mit diesen zusammen
dem Gespräch zu folgen. Das bietet sich bei hochgradig verclinchten und
verstrickten Systemen und Subsystemen an, z. B. wenn innerhalb des
Elternsubsystems jeder Beitrag des einen durch eine Attacke, einen
Kommentar, ein Hilfeangebot der anderen unterbrochen wird. Diese
Perspektive tritt ebenfalls in den Vordergrund, wenn das Team überlegt,
wer zur nächsten Sitzung eingeladen wird: die ganze Familie oder nur die
Eltern, nur das Geschwistersubsystem, nur die Frauen oder Männer der
Familie, Großeltern und Eltern usw. Auch während einer Sitzung ist eine
solche Trennung möglich, z. B. wenn der Fokus sich auf ein Thema
verschiebt, das in Anwesenheit der anderen nicht besprochen werden
sollte. Die Sexualität der Eltern ist ein Thema, das die Intimität ihres
Subsystems betrifft; die Kinder dann aus dem Raum zu schicken stärkt die
intergenerationalen Grenzen. Aber es gibt auch Themen der Kinder, welche