2026-001/documents/theory/diagnostics/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/538.md

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gelöst werden können. Dadurch wird die Idee von der nur einen Wahrheit
unterlaufen. Das lässt sich vor allem bei streitfreudigen Familien nutzen, in
denen dichotomisch um Wahrheit und Macht gekämpft wird. Für die
Beachtung der Gender-Perspektive ist es hilfreich, wenn das Team aus
Frauen und Männern besteht.
Durch das „Reflecting Team“ (Andersen 1990) wird das Team um die
Auftraggeberinnen erweitert. Dieses Konzept macht die Familie zu einem
gleichberechtigten Mitglied der therapeutischen Situation. Die Profis
besprechen ihre Beobachtungen und Interventionsideen in der Pause nicht
mehr unter ihresgleichen, sondern die Familie sitzt hinter dem
Einwegspiegel, beobachtet und hört zu. Sie kann nach der Pause direkt
Stellung nehmen, den Hypothesen der Profis widersprechen, sie
akzeptieren, ausweiten und deren Konsequenzen zum Thema machen. Das
stärkt den Selbstwert der Familie und ihre Selbstorganisationsmuster;
wenig plausible Hypothesen können schneller aufgegeben bzw. verändert
werden. Eine schädliche Eigendynamik des Unterstützungssystems lässt
sich dadurch unterbrechen, eine positive hingegen verstärken. Ohne den
Einwegspiegel ist diese Umdrehung der Verhältnisse noch einfacher zu
lösen, da sich alle Mitglieder des Unterstützungssystems im selben Raum
befinden. Das Reflecting Team hat auch einen ethischen Effekt: Die
Fachkräfte werden gezwungen, ihre Überlegungen hinsichtlich der Familie
respektvoll und verstehbar zu formulieren. Dieser Respekt ist ein
wesentlicher Garant für die wechselseitige Ankoppelung von Familie und
Sozialarbeiterin. So wird vermieden, dass jene zum Opfer professioneller
Manipulationsstrategien wird.