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6.6.1.1.3 Die Absicht der Fragenden
Tomm hat diese Zuordnung gewählt: Er unterscheidet lineale
(lineare), zirkuläre, reflexive und strategische Fragen (Tomm 1988a,
b, 1989, 1994). Wenn Fragen nach ihrer Absicht bestimmt werden,
können sie trotz eines gleichen Wortlautes auch einer anderen
Kategorie zugewiesen werden. Wichtig ist, dass alle vier Fragetypen
ihren Platz und ihre Berechtigung im Interview haben, also auch die
oft geschmähten linearen oder strategischen Fragen.
Lineale bzw. lineare Fragen dienen der Informationsgewinnung.
„Der Therapeut verhält sich wie ein Detektiv, der versucht, ein
kompliziertes Rätsel zu entwirren. Die grundlegenden Fragen
lauten: Wer tat was? Wo, wann und warum?‘“ (Tomm 1989, S.
29). Mithilfe der linearen Fragen wird nach harten Daten
geforscht: nach Namen und Benennungen, dem Alter der
handelnden Personen und ihren formalen Rollen, Orten und
Zeiten der fraglichen Situationen usw. Es überrascht nicht, dass
lineare Fragen vor allem im Erstinterview eine wichtige Rolle
spielen, z. B.: „Was führt Sie zu mir?“ Sie spielen auch für die
Kausalattributionen der Befragten eine Rolle: „Warum, glauben
Sie, hat Ihre erste Frau Sie damals verlassen?“ Allerdings wird
hier die harte Realitätssicht schon durch die Formulierung
„glauben Sie“ aufgeweicht.
Zirkuläre
Fragen
dienen
der
Beschreibung
des
Beziehungsgeflechtes, in dem sich die Befragten bewegen; mit
ihrer Hilfe lässt sich die Rückbezüglichkeit des Handelns
rekonstruieren und den Handelnden nahe bringen. „Hier
befindet sich der Therapeut eher in der Rolle eines Forschers,
einer Person, die genaue Untersuchungen anstellt, oder eines
Wissenschaftlers, der darauf aus ist, eine Entdeckung zu
machen. Die bestimmenden Vorannahmen sind interaktionell
und systemisch“ (ebd., S. 30). Zirkuläre Fragen sollen
Informationen über die Verknüpfung der Elemente des
Handlungssystems (Personen, Ideen, Dinge) liefern und das
Muster dieser Verknüpfung ergeben. Eine Frage dieses Typs