39 lines
2.0 KiB
Markdown
39 lines
2.0 KiB
Markdown
5.5.2 Die Einzelfallhilfe/Einzelfallarbeit (Casework)
|
||
Das Konzept der Einzelfallhilfe bezieht sich zunächst auf die Soziale
|
||
Arbeit mit einzelnen Auftraggeberinnen, Paaren und Familien. Wie im
|
||
weiteren Verlauf dieses Kapitels deutlich wird, kann sich auch
|
||
innerhalb dieser Hilfeform ein Ausflug in die Arbeit mit Gruppen und
|
||
im Gemeinwesen als nützlich erweisen. Allerdings erhalten diese
|
||
Ausweitungen dann den Status eines Segmentes der Einzelfallhilfe.
|
||
Das Ziel jeder Einzelfallhilfe bleibt immer die Befähigung der
|
||
Auftraggeberinnen, ihr Leben so zu ordnen, dass ein gelingender
|
||
Alltag möglich und Soziale Arbeit für sie überflüssig wird – kurzum:
|
||
Hilfe zur Selbsthilfe.
|
||
Alle Handlungsbereiche der Sozialen Arbeit, vor allem aber die
|
||
Einzelfallhilfe und die soziale Gruppenarbeit, sind mit der
|
||
Doppelstruktur von Angebot und Eingriff konfrontiert. Beide Aspekte
|
||
gehören zusammen: Sozialarbeit, insbesondere ihre jugendamtliche
|
||
Variante, bietet Hilfe an und handelt zugleich unter dem Vorbehalt
|
||
eines möglichen Eingriffs. Der Doppelstruktur korrespondiert die
|
||
Ambivalenz der Adressatinnen Sozialer Arbeit: Sie hätten gern Hilfe,
|
||
aber gegen die Kontrolle bzw. eine aus ihrer Sicht ungenügende oder
|
||
falsche Hilfe wehren sie sich. Eine ressourcenorientierte Soziale Arbeit
|
||
wird diese Haltung nicht als symptomatischen Widerstand gegen sie
|
||
interpretieren, sondern als Ausdruck des Autonomie- und
|
||
Selbstorganisationsbestrebens ihrer Adressatinnen. Noch deutlicher
|
||
wird diese Problematik, wenn durch ein Gericht oder das Jugendamt
|
||
eine Intervention der Sozialen Arbeit zur Auflage gemacht wird, um
|
||
eine Bestrafung auszusetzen oder einer Fremdunterbringung des
|
||
Kindes vorzubeugen.
|
||
In der Sozialen Arbeit gibt es eine lange Debatte, ob eine
|
||
Intervention unter Zwang hilfreich sein kann. Conen hat durch eine
|
||
prägnante
|
||
Formulierung
|
||
angeregt,
|
||
den
|
||
Gegensatz
|
||
von
|
||
Angebot/Freiwilligkeit und Eingriff/Zwang zu überwinden. Sie schlägt
|
||
vor, die Intervention mit einer von den Sozialarbeiterinnen offiziell
|
||
formulierten Anfangsfrage an ihre Auftraggeberinnen zu beginnen:
|