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4.2.2.5.2 Trennung durch formelle oder informelle Scheidung
In dieser Trennungsvariante geht es um das Eingeständnis des
Scheiterns einer Beziehung, die Konfrontation mit Desillusionierungen
und Enttäuschungen. Eine Trennung wird heute als gesellschaftlicher
Normalfall akzeptiert. Dieser Wechsel vom Skandal zur Normalität
verdankt sich einer in der individualisierenden Kultur möglich
gewordenen Vielfalt von Lebensformen und Zeitperspektiven für
intime Beziehungen.
Trennung als die von mindestens einem Teil des Paarsystems
gewünschte Auflösung der Lebensgemeinschaft wird in den meisten
Fällen geprägt durch:
die Kränkung aufgrund einer missglückten Beziehung;
gegenseitige lineare Schuldzuweisungen und den Kampf um die
Wahrheit;
einen Zustand der kognitiv-emotionalen Verwirrung und
Regression (vgl. Wallerstein u. Blakeslee 1989, S. 30 ff.);
den Verlust der Möglichkeit, sich wechselseitig „in die Schuhe
der/des anderen zu stellen“;
ein Beziehungsbild, das sich an Defiziten, Belastungen,
Störungen in den vorangehenden Phasen des Lebenszyklus
orientiert, darin realisierte Lebenschancen aber ignoriert;
und die Auseinandersetzung um die weitere Beziehung des
separierten Elternteils zu seinen Kindern.
Trennung als Scheidung kann einen formellen, d. h. durch den Spruch
eines Gerichtes vollzogenen oder informellen, d. h. durch eine
Absprache der Partnerinnen zustande gekommenen Charakter haben.
Auf den ersten Fall trifft der juristische Fachbegriff „Scheidung“ zu, im
zweiten Fall wird von „Trennung“ gesprochen. Trennung ist der
Gipfelpunkt einer langen krisenhaften Entwicklung. Mit der
Entscheidung für eine Trennung ist diese in der Regel noch lange
nicht vollzogen der Trennungsprozess geht weiter. Wallerstein und
Blakeslee rechnen mit ca. zweieinhalb Jahren für die Männer und
dreieinhalb Jahren für die Frauen, die sie benötigen, „um nach einer