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3.2.2.2Regeln
Regeln sind konkrete Handlungsanweisungen für Rollenträgerinnen in
Interaktionssituationen. Auch im Bezug auf Regeln finden wir die von
Beck konstatierte Individualisierung und Pluralisierung. Der Vorteil
dieser Tendenz liegt in der demokratischen Grundeinstellung, dass die
Befolgung von Regeln nicht durch autoritäre Elternfiguren und den
von ihnen vertretenen Verhaltensdogmen gesichert wird. Stattdessen
sollen Regeln gemeinsam gefunden und für alle auch die Kinder
einsehbar sein. Die Gefahr liegt in einer Aufsplitterung eines
notwendigen Basiskonsenses hinsichtlich sozial erwünschter
Verhaltensweisen. Ein Beispiel:
In meiner Jugend war die Regel, dass Kinder als Trägerinnen der
kulturellen Rolle „Kind“ in öffentlichen Verkehrsmitteln älteren
Menschen den Sitzplatz anzubieten haben, noch unumstößlich und an
die gesellschaftliche Wertschätzung des Alters, älterer Menschen und
ihrer Lebenserfahrung geknüpft. Heute nehmen Kinder für sich in
Anspruch, dass ihr Alltag nicht minder anstrengend sei als der von
Erwachsen und aus dem Alter allein noch kein Anspruch auf
besondere Rücksichtnahme abzuleiten sei. Sie werden darin auch von
vielen älteren Menschen unterstützt, die sich als „junge Alte“ fühlen
und einen angebotenen Sitzplatz eher als unerwünschten Hinweis auf
ihr Lebensalter auffassen. Diese Haltung wiederum verbindet sich mit
dem durch die Medien gestützte Mythos einer kurzfristigen
Modetrends folgenden Jugendkultur. Alter wird dabei mit
mangelnder Flexibilität und nicht mit Altersweisheit assoziiert. Die
konkrete Regel „In öffentlichen Verkehrsmitteln bietest du älteren
Menschen einen Sitzplatz an“ ist also nicht mehr allgemein gültig.
Ihre Existenz und vor allem ihre Befolgung hängt von den einzelnen
Familien, ihrem Wertesystem und der Zustimmung aller
Familienmitglieder ab.