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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 254 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Albrecht Reiner, Dorothea Scholz, Susanne Joos und Wolf Ritscher
Mutter gebrochen hat wie Tatjana, die zudem die Rolle einer Beraterin, vor allem für Karin, eingenommen hat und sich damit zusätzlich in Konkurrenz zur Mutter befindet. Alle Kinder schonten den Vater; er wurde von ihnen nicht kritisiert. Sie durchschauen seine Anteile im System nicht. Gibt es die Idee, dass alle Schuld bei der Mutter
zu suchen ist, und wenn sie sich ändern oder ausziehen würde, wäre
alles gut?
Darüber hinaus benannten wir (A. R. u. S. J.) mögliche Entwicklungsaufgaben für die Familie:
• Deeskalationsstrategien für den Konfliktfall entwickeln und erproben
• Elena aus ihrer selbstdestruktiven Vermittlerposition entlassen
• Klärung der Paarbeziehung: zusammen oder getrennt?
• erzieherische Kooperation soweit überhaupt erforderlich stärken
• Entwicklung von Zukunftsperspektiven für Herrn und Frau Ernst jeweils unabhängig vom Partner bzw. von der Partnerin und den Kindern
• eine »bezogene Individuation« der Kinder.
Aus diesen Aspekten entwickelten wir unsere Interventionen am
Ende des Erstgesprächs:
• Wir brachten unsere Wertschätzung gegenüber den Eltern für ihre
Entscheidung zum Ausdruck, sich der Kinder wegen nicht äußerlich
getrennt zu haben, um ihnen dadurch über eine lange Zeit das Elternhaus und den freien Zugang zu Vater und Mutter zu erhalten. Das
ist eine große Leistung und hat lange Jahre trotz vieler Mühen und
Konflikte auch gut funktioniert. Die Frage jetzt lautet: Ist diese Lebensform heute noch gut? Müssten vielleicht jetzt neue Wege für das
Paar und die Kinder gesucht werden?
• Wir brachten unsere Wertschätzung den einzelnen Kindern gegenüber zum Ausdruck und gaben der schwierigen Situation eine positive
Bedeutung: Durch ihr Verhalten zeigen die Kinder, dass sie alle einen
sehr großen Familiensinn besitzen. Streit und Aggression in der Familie rühren aus einer große Liebe zueinander und dem Willen zum
Zusammenhalt, aber auch: Es muss sich jetzt etwas ändern, sonst
geht alles in die Brüche!
• Der Konflikt von Matthias und Tatjana mit der Mutter bedeutet nicht,
dass sie sich hassen. Er kann ein Lösungsversuch für die Frage sein,
wie man bei großer Liebe und Verbundenheit eigene Wege gehen und
sich weiterentwickeln kann.
• Wir teilten mit den Kindern die Bedenken im Blick auf einen »Erfolg«
der Therapie. Sie befinden sich alle in einer sehr schwierigen Situa-
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