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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 145 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
6. Sozialräumliche, integrierte und flexible Jugendhilfe im Gemeinwesen
7.5.6 Ambulant betreute Wohngruppe
(Jugendwohngemeinschaft)
Auch diese Maßnahme ist ein Angebot für Jugendliche ab 16 Jahren
und junge Erwachsene, die aufgrund tief greifender Konflikte nicht
mehr in ihrem bisherigen Lebensfeld verbleiben können bzw. wollen
und zur Verselbstständigung noch sozialpädagogischer Unterstützung in einer Gruppe bedürfen (s. Abschnitt 8.1).
7.5.7 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Gastfamilien
Aufgenommen in ausgewählte Gastfamilien werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die ihren bisherigen Lebenszusammenhang verlassen müssen. Im Vorfeld wurde bei ihnen eine psychische
Erkrankung vermutet oder bereits diagnostiziert. Das Erleben des
Gastfamilienalltags bietet Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Chance, im Gastfamilienalltag »Normalität« zu erfahren,
in der die Symptome keine Funktion zur Aufrechterhaltung des Familiensystems haben. Dies ermöglicht den jungen Menschen, neue
Verhaltensweisen zu entwickeln und eigene, oft ungeahnte Ressourcen zu aktivieren.
Bei der Auswahl der Gastfamilien wird auf die passende Zuordnung des betreffenden jungen Menschen und der Gastfamilie geachtet, und es wird im Unterschied zum Konzept der Pflegefamilie von
Anfang an eine intensive Begleitung der Gastfamilie während der
gesamten Dauer der Maßnahme gewährleistet.
Die intensive und enge Begleitung ermöglicht eine prozesshafte
Weiterqualifizierung der Gastfamilie im Hinblick auf den Umgang
mit dem ihr anvertrauten jungen Menschen. Die im familiären System und dem sozialen Umfeld vorhandenen Ressourcen des »Normalen« finden besondere Beachtung. Die Eigenkräfte und Fähigkeiten
aller am Prozess beteiligten Personen werden aufgegriffen, gestärkt
und in die Arbeit integriert.
Die Aufnahme der jungen Menschen in Gastfamilien bietet folgende Chancen:
• In einer Gastfamilie kann auf den individuellen Bedarf flexibel reagiert werden.
• Die Gastfamilie ermöglicht enge Führung, direkte Konsequenzen
und nahe Begleitung.
• Sie bietet einen Schonraum, in dem kindliche Bedürfnisse geäußert
und psychosoziale Entwicklungsaufgaben nachgeholt werden können.
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