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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 39 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

  1. Systemische Kinder- und Jugendhilfe Eine Skizze

benserwartung und der persönlichen Gesundheit mit sich gebracht hat, ist unbestritten. Ebenso wichtig ist der Hinweis, dass die modernen Medien einen erheblichen Fortschritt in der Beteiligung aller Menschen an den kulturellen Angeboten der Gesellschaft mit sich brachten. Dennoch müssen die im Sinne einer Dialektik der Aufklärung (Horkheimer u. Adorno 1971) problematischen dem Ziel »gleiche Chancen für alle Mitglieder der Gesellschaft« entgegenstehenden Aspekte dieser Entwicklung benannt werden, damit Gegentendenzen mobilisiert werden können: Der zunehmende Ausschluss einer immer größer werdenden Gruppe aus der Arbeits- und Konsumgesellschaft mit der Folge zunehmender Armut, sozialer Konflikte, Gewalt und Kriminalität. Es wächst die Zahl der working poor, also derjenigen, die trotz Erwerbsarbeit ihren Lebensunterhalt nicht vollständig mit dem Lohneinkommen bestreiten können oder den Lebensunterhalt nur notdürftig durch mehrere »Minijobs« unter hohem Stress und ständiger Gefahr von Kündigung, Erpressungen seitens der Arbeitgeber, fortschreitendem Lohndumping usw. sichern können. Eine Ökonomisierung von Beziehungen und der sie tragenden Gefühle mit der damit einhergehenden sozialen Entsolidarisierung »Was bringt mir das?« wird zur individuumzentrierten Leitfrage, welche die auf soziale Zusammenhänge fokussierende Frage »Wie kommen wir gemeinsam weiter?« verdrängt. Der Medienkonsum verlangt einerseits finanzielle Ressourcen, andererseits vor allem für Kinder die Unterstützung erwachsener Menschen, damit die synchron zur Verfügung stehende Vielzahl von Medienangeboten für die eigene Entwicklung genutzt werden kann; fehlen Bewältigungs- und Unterstützungsangebote durch empathische Erwachsene, können Kinder und Jugendliche durch Überstimulation, Informationschaos und die zur Identifikation einladenden Gewaltpräsentationen ein sozial defizitäres Verhaltens- und Motivpotential ausbilden; das wiederum mindert drastisch im Sinne eines Teufelskreises ihre Bildungs- und Ausbildungsaussichten, ihre Kompetenz für kontinuierliche und sichere Beziehungen sowie ihre Konsumchancen. Der globale und zugleich in jedem Gemeinwesen stattfindende Raubbau an den natürlichen Ressourcen des Lebens bedroht die auf der anderen Seite gewonnene Lebensqualität. Eine vor allem in der Politik wenig beachtete Folge der fortschreitenden Naturzerstörung ist der Verlust an nicht pädagogisch organisiertem Bewegungs- und Spielraum. Das Eingesperrtsein von meistens aber nicht immer ärmeren Familien in von Straßen umzäunten und

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