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260
Ob wir es nun Traumapädagogik, emanzipatorische Pädagogik
oder konsequente Menschlichkeit nennen, ist nicht ausschlaggebend. Für die Mädchen und Jungen aus herausfordernden Lebensumständen ist unsere Haltung entscheidend. Entscheidend ist auch,
wie wir die beschriebenen Handlungsfelder mit Leben füllen.
Während traumainformierte Bindungspädagogik in den meisten
traumapädagogischen Konzepten entsprechend ihrer Bedeutung
berücksichtigt ist, gilt dies noch nicht für traumainformierte
geschlechtsreflektierende Pädagogik und Sexualpädagogik. Und
auch die Konzepte des Sicheren Ortes bedürfen der ausdrücklichen
Erweiterung um Schutz vor sexueller Retraumatisierung.
Wir können mit vielfältigen Möglichkeiten der Pädagogik
Mädchen und Jungen aus herausfordernden Lebensumständen
andere Perspektiven für eine gelingende Lebensbewältigung eröffnen. Dazu eignet sich vor allem die Pädagogik der Selbstbemächtigung. Voraussetzung ist die Annahme des Guten Grundes
und der Expert*innenschaft. Wenn wir mit den Mädchen und
Jungen ihr Sein gemeinsam verstehen und würdigen, stärkt das
ihre Selbstbemächtigung. Räume, in denen sie ihren Schmerz anerkennen können, schützen vor einer Abspaltung eines Teils des
Selbst. Die gemeinsame Anerkennung von Schmerz korrigiert Gefühle von Isolation und Anderssein. Und wenn ich dann noch das
Entstehen von Schmerz auch als Folge gesellschaftlicher Gewalt einordnen kann, komme ich womöglich in die Lage, mich mit anderen
gegen diese Gewalt zu wenden. Und dennoch, die „[…] weiterhin
erlebten Belastungen dürfen dabei nicht verschwiegen werden […]
sie werden einiges an traumatischem Gepäck in ihr weiteres Leben
mitnehmen […].“ (Weiß/Gahleitner 2020, S. 22)
Die beschriebene Begleitung funktioniert nur, wenn in den
pädagogischen Institutionen über die etablierten Machtdifferenzen
und über eingeschliffene Handlungsroutinen nachgedacht wird. Dies
zu einer Zeit, in der Heimerziehung durch die Ausdifferenzierung
der Hilfen in ihrem Vorfeld immer weniger mit pflegeleichten
Kindern und Jugendlichen zu tun hat, sondern zunehmend mit
solchen, die nur noch schwer zu halten sind, Mädchen und Jungen,
die mit dem Begriff Systemsprenger ausgegrenzt werden. Meine
Erfahrung sagt mir, dass traumapädagogisches Handeln nicht