2026-001/documents/theory/diagnostics/philipp-sucht-sein-ich/pages/257.md

31 lines
2.1 KiB
Markdown

257
Müllers zu erreichen. Sie nehmen Kontakt mit ihrem Sohn auf und erklären
sich bereit, schwierige Verhaltensweisen des Sohnes auch als Ausdruck ihrer
eigenen Situation und Verhaltens zu begreifen.
Startschuss dieser Veränderung ist die aufsuchende Arbeit. Möglicherweise wird sich das Verhalten von Markus Eltern nachhaltig
verändern. Vielleicht kommen sie in die Lage, Verantwortung für
das zu übernehmen, was sie Markus angetan haben. Wenn dies gelingt, ist Elternarbeit für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes
von unschätzbarem Wert.
Schwieriger ist eine erfolgreiche Täter*innenarbeit. Diese
muss Voraussetzung für den Kontakt zumindest von sexuell missbrauchenden Eltern mit den Opfern sein. Erfolgreich bedeutet das
Eingeständnis der Tat.
Frau Müller hat ihre drei Söhne sexuell missbraucht, dies erzählt Walter, einer
der Jungen, als er selbst in einer Wohngruppe übergriffig wird. Obwohl Frau
Müller dies nicht eingesteht, kommen die Jungen zurück zu ihr, weil ja eine
sozialpädagogische Familienhilfe mit hoher Stundenzahl die Kontrolle hätte.
Nach drei Monaten missbraucht Walter erneut ein elfjähriges Mädchen. Das
hätte schon einmal geholfen, für ihn der einzige Weg den Missbrauch zu beenden.
Um die Kinder und Jugendlichen vor weiteren Traumatisierungen
zu schützen, ist das Eingeständnis des Misshandlungsgeschehens
Voraussetzung. Was geschehen kann, wenn dies nicht beachtet
wird, erzählt die Leidensgeschichte von Walter. Das Eingeständnis
des Misshandlungsgeschehens ist die Grundlage einer Änderungsmotivation. Sie ist Voraussetzung für die Arbeit an der elterlichen
Kompetenz und am Einfühlungsvermögen für ihr Kind. Und
sie muss letztendlich den Ausschlag für die abschließende Entscheidung über den Verbleib des Kindes geben. Hier wird deutlich,
welch ein schwieriger und zeitaufwendiger Prozess Elternarbeit im
Kontext von Kindesmisshandlung ist. In Zusammenhang mit innerfamiliärem sexuellen Missbrauch schlagen Klaus-Peter David, ein in
der Arbeit mit Tätern erfahrener Pädagoge, und Dirk Bange (2002)
Kriterien zur Rückführung vor: