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227
geschlechtsbezogener Pädagogik liegt in der Aufdeckung von
Machtstrukturen, die Gleichwertigkeit und Differenz verhindern, so
Michael Drogand Strud (Konzept zur „Qualifizierung von Trainern/
Multiplikatoren in der Jungenarbeit“ der LAG Jungenarbeit in NW
e.V., https://www.jungenarbeiter.de). Perspektivisch gehe es darum,
die Selbstbestimmung von Mädchen und Jungen zu stärken und sie
darin zu unterstützen, sich von einschränkenden Zuschreibungen
zu befreien.
Und dazu braucht es immer auch eigene Räume, wie es die
Protagonistinnen der feministischen Mädchenarbeit der achtziger
Jahre forderten und auch wenn auch nicht flächendeckend umsetzen konnten. „Eigene Räume für Mädchen, Geschlechtshomogenität der Angebote, ausschließlich Frauen in der Mädchenarbeit
und die Pädagogin als Identifikationsfigur waren und sind bis heute
die dem Radikalfeminismus geschuldeten Eckpfeiler feministischer
Mädchenarbeit.“ (Wallner 2010, S. 8). Und sie forderten ergänzende Jungenarbeit, in der Männer mit Jungen arbeiten sollten.
Geschlechtergerechte Pädagogik hat sich verändert, der damals
formulierte politische Anspruch wird nicht mehr gestellt, möglicherweise auch weil die Benachteiligung der Mädchen, die die
Kinder- und Jugendhilfe schützen muss, nicht der Lebenswelt
vieler mittelschichtssozialisierter Pädagog*innen entspricht. Heute
ist geschlechtergerechte Pädagogik ein System von mindestens
vier Ansätzen: Mädchenarbeit, Jungenarbeit, geschlechtergerechte
Koedukation und Cross Work12 (Wallner 2010, S. 16). Auch diese
Konzepte beruhen auf einer geschlechtsdualistischen und oft auf
einer heteronormativen Struktur. Die Vielfalt und Komplexität menschlichen Seins erfordert eine Weiterentwicklung der
Pädagogik, damit alle Mädchen, Jungen, junge Transgenderpersonen ungeachtet ihre Hautfarbe und sexuellen Orientierung
ihre Identitäten geschützt leben und entwickeln können.
12
Frauen arbeiten mit Jungen, Männer arbeiten mit Mädchen.